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Forscher grübeln bei diesem seltenen Naturphänomen

wochentlich.deBy wochentlich.de12 Dezember 2023Keine Kommentare3 Mins Read
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Forscher grübeln bei diesem seltenen Naturphänomen
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Etwa 2,5 Millionen Rehe gibt es in Deutschland. Einige seltene Exemplare sehen jedoch anders aus als ihre Artgenossen. Experten rätseln bis heute.

Es gibt sie in Hülle und Fülle. Man trifft sie vor allem im Wald und auf Wiesen, neben der Autobahn kann man sie sehen und auch in stadtnahe Gebiete verlaufen sie sich: Rehe. Für die allermeisten Menschen dürfte der Anblick der bis zu 35 Kilogramm schweren Tiere keine Seltenheit sein. Immerhin liegt ihre Population Schätzungen zufolge in Deutschland heute bei rund 2,5 Millionen Exemplaren. Dabei gibt es sehr seltene Ausnahmen, die sich ausschließlich im Nordwesten Deutschlands aufhalten: schwarze Rehe.

Körperbau, Gewicht, Geweih – die schwarzen Rehe unterscheiden sich in ihrer Anatomie nicht von ihren rotbraunen Artgenossen. Doch mit ihrem dunkelgrauen bis tiefschwarzen Fellkleid heben sie sich optisch deutlich von den „normalen“ Wildtieren ab. Was die Rehe in „Sonderlackierung“ noch deutlich besonderer macht, ist ihr Verbreitungsgebiet: Beinahe ausschließlich im Nordwesten Deutschlands kann man sie antreffen. Warum das so ist, darüber rätseln Fachleute bis heute.

Enges Verbreitungsgebiet bleibt ein Rätsel

Das Phänomen der schwarzen Rehe nennen Experten Melanismus. Bekannt ist, dass diese Tiere durch einen Gendefekt vermehrt schwarze Pigmente bilden und sich deshalb auch ihr Fell schwarz färbt. Warum diese äußerst seltenen Tiere jedoch fast ausschließlich in den Tiefebenen zwischen Ems und Elbe zu finden sind und sich nicht flächendeckend in anderen Teilen Deutschlands verteilen, darüber liegen Fachleuten bislang keine Erkenntnisse vor.

Die Geschichte der schwarzen Rehe geht, je nach Quelle, bis vor das Jahr 1000 zurück. Gerade im Bereich um Haste bei Hannover sollen bereits damals erste Exemplare gesichtet worden sein. Noch heute trägt die Gemeinde in ihrem Wappen einen schwarzen Rehbock, der das Schaumburger Nesselblatt überspringt. Weitere Berichte belegen zudem, dass das schwarze Reh spätestens im 16. Jahrhundert auch im Bereich Verden, Osnabrück und im Landkreis Lüchow-Dannenberg sesshaft wurde.

Vereinzelt wurden Tiere im Taunus, an der Grenze von Niedersachsen zu Nordrhein-Westfalen und in Unterfranken gesichtet. Allerdings soll es sich dabei um wenige Exemplare beziehungsweise isolierte Bestände gehandelt haben.

Wie viele schwarze Rehe es in Deutschland gibt, ist nicht abschließend geklärt. Nach Einschätzung von Fachleuten tritt die Pigmentstörung (das betrifft auch weiße Rehe, also Albinos) in einem Verhältnis von 1:10.000 auf. Sprich: Eines von zehntausend geborenen Rehen ist schwarz oder weiß. Das liege in erster Linie daran, dass sich die vorherrschende rötliche Färbung dominant vererbe. Andere Berechnungen sagen, bis zu 20 Prozent aller Rehe im Nordwesten könnten schwarz sein. Konkrete Zahlen liegen jedoch nicht vor.

Jäger versuchen Tiere seit Langem zu schützen

Fachzeitschriften zufolge strömten bis vor einigen Jahren zahlreiche Jäger, vor allem aus dem Ausland, nach Norddeutschland, um die besonderen Tiere schießen zu können. Sie gelten bis heute als beliebte Trophäen. Da der Bestand jedoch – trotz nicht abschließend geklärter Zahlen – als gering eingestuft wird, wurde diesem Vorgehen bald Einhalt geboten.

Im Bereich Haste, dort, wo das schwarze Reh ursprünglich herzukommen scheint, hatten Jäger bis zum Jahr 1933 fast alle Rehe mit rotbrauner Färbung geschossen, um den Bestand an schwarzen Rehen in die Höhe treiben. Das Unterfangen gelang, sodass die Quote der seltenen Tiere auf 90 Prozent angehoben werden konnte.

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