In bis zu 251 Metern Tiefe
Forscher finden geheimnisvolle Wracks im Bodensee
14.08.2025 – 15:06 UhrLesedauer: 2 Min.
Ein Forscherteam setzt systematisch modernste Technik in großer Tiefe ein – und lüftet jahrhundertealte Geheimnisse des Bodensees.
Im Bodensee sind bei einem großangelegten Forschungsprojekt 31 Wracks entdeckt worden – darunter ein historisches Lastsegelschiff in ungewöhnlich gutem Zustand. Die Funde stammen aus einem bisher einzigartigen Vorhaben zur Unterwasserarchäologie in Binnengewässern, wie das Landesamt für Denkmalpflege in Baden-Württemberg mitteilte.
Ziel des Forschungsprojekts: Wracks auf dem Grund des bis zu 251 Meter tiefen Sees zu erfassen und zu dokumentieren. Finanziert wird das Projekt vom Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen Baden-Württemberg.
Bis Ende 2024 wurden über 250 auffällige Stellen am Seegrund registriert – sogenannte Anomalien. Davon wurden bislang 186 untersucht. Die meisten entpuppten sich als natürliche Strukturen oder einfache Objekte wie Fischreiser. In 31 Fällen fanden die Forscher jedoch versunkene Wasserfahrzeuge.
Ein Fund sticht besonders hervor: In großer Tiefe entdeckte das Team ein fast vollständig erhaltenes Lastsegelschiff. Wie lange es schon auf dem Grund liegt, ist unklar. Mast und Rah sind noch vorhanden – laut den Wissenschaftlern eine Seltenheit. Auch Details wie Befestigungsvorrichtungen für Leinen sowie Teile des Antriebs sind gut zu erkennen. Alexandra Ulisch, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt, sagt: „Der Fund bietet einzigartige Einblicke in die Segeltechnik und den Schiffbau historischer Bodenseeschiffe.“
An einer anderen Stelle zeigte sich ein weit verstreutes Feld mit mindestens 17 Holzfässern – möglicherweise Teil einer historischen Ladung. Hinweise auf ein zugehöriges Schiff fehlen bislang.
Zwei weitere Funde betreffen große metallene Schiffsrümpfe, die womöglich zu den Schaufelraddampfern „SD Baden“ und „SD Friedrichshafen II“ gehören. Die endgültige Identifikation steht noch aus. Die Schiffe waren zum Ende des 19. Jahrhunderts bzw. zu Beginn des 20. Jahrhunderts gebaut worden.
Die Wracks wurden mit modernen Methoden lokalisiert und dokumentiert – unter anderem mit hochauflösenden Sonardaten und ferngesteuerten Unterwasserrobotern. „Nur durch die Kombination lassen sich natürliche Strukturen zuverlässig von technischen Objekten am Seegrund unterschieden“, sagt Projektleiterin Julia Goldhammer.
Die Daten helfen nicht nur dabei, den Zustand der Wracks zu beurteilen. Sie liefern auch Hinweise auf den historischen Schiffsverkehr und auf frühere Lebensverhältnisse rund um den Bodensee. „Wracks sind weit mehr als nur verlorene Fahrzeuge – sie sind echte Zeitkapseln“, sagt Alexandra Ulisch.
Das Projekt läuft noch bis Sommer 2027. Bis dahin wollen die Fachleute ein archäologisches Inventar der Bodenseewracks erstellen und die wissenschaftlichen Grundlagen für einen besseren Schutz dieser Unterwasserdenkmäler schaffen. Erste Ergebnisse zeigen schon jetzt: Der Bodensee birgt noch viele unentdeckte Geschichten.
