„Legale Branche stirbt“

Firmen fürchten „Todesstoß“ – und organisierte Kriminalität


Aktualisiert am 28.06.2026 – 12:31 UhrLesedauer: 4 Min.

Razzia in Berlin (Symbolbild): Die Shisha-Branche ist oft im Visier von Steuerfahndern. Nun befürchtet sie eine Ausweitung des Schwarzmarkts. (Quelle: IMAGO/imago)

Geplante Steuererhöhungen könnten Wasserpfeifentabak bis 2030 massiv verteuern. Die Branche warnt vor einem Schub für organisierte Kriminalität.

In Deutschland hat sich rund um Wasserpfeifentabak ein lukrativer Schwarzmarkt entwickelt. Unversteuerte Ware wird illegal verkauft, legale Händler klagen über massiven Druck, der Zoll kommt mit Kontrollen kaum hinterher. Aus Sicht der Branche könnte sich diese Entwicklung noch weiter verschärfen: Das Bundesfinanzministerium plant eine drastische Erhöhung der Tabaksteuer auf Wasserpfeifentabak.

Wie aus einem Gesetzesentwurf zum Tabaksteuergesetz und einer Steuerstatistik hervorgeht, soll die aktuelle Tabaksteuerlast von etwa 56 Euro pro Kilogramm Wasserpfeifentabak bis 2030 schrittweise auf 188,46 Euro pro Kilo hochgehen.

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Nach Angaben des Bundesverbandes Wasserpfeifentabak liegt der durchschnittliche Verkaufspreis derzeit bei circa 139 Euro pro Kilo. „Künftig würden sich die Preise wohl auf 250 bis 300 Euro pro Kilo in etwa verdoppeln“, sagt Folke Rega vom Bundesverband Wasserpfeifentabak. Das Gesetzesvorhaben stammt vom Bundesfinanzministerium, es könnte zügig verabschiedet werden. Die Unterlagen liegen t-online vor, zunächst berichtete die Nachrichtenagentur dpa.

Besucher der Fachmesse Intertabac beim Wasserpfeife-Rauchen. (Quelle: Wolf von Dewitz/dpa/dpa-bilder)

„Die Steuererhöhungen sind unverhältnismäßig hoch“

Der Verband warnt vor einer weiteren Zunahme des Schwarzmarktes, sollte die geplante Steuererhöhung tatsächlich kommen. Allein im ersten geplanten Schritt zum Januar 2027 würde sich die Tabaksteuer auf Wasserpfeifentabak fast verdoppeln, danach ginge es weiter hoch. „Die Steuererhöhungen sind unverhältnismäßig hoch“, sagt Verbandsgeschäftsführer Rega. „Ein legaler Vertrieb von Wasserpfeifentabak setzt voraus, dass die Branche ausreichende Absatzmengen erzielen kann: Das aber ist in Gefahr, wenn eine 200-Gramm-Dose künftig 60 Euro kostet.“ Derzeit seien es 25 bis 30 Euro.

In Deutschland rauchen schätzungsweise 1,5 Millionen Menschen Wasserpfeife. Krebsforscher betonen die Gesundheitsgefahren des Shisha-Rauchens – dass das Wasser bei dieser Art von Rauchen eine Filterfunktion habe, ist ein weit verbreiteter Irrglaube.

Ein Viertel des in Deutschland verkauften Wasserpfeifentabaks wird in circa 5.000 Shisha-Bars konsumiert – der Rest entfällt auf den privaten Bedarf. Laut Verbandsangaben gibt es circa 2.500 Verkaufspunkte wie Kioske und Tankstellen, sowie circa 200 Großhändler.

Branche hat schlechte Erfahrungen mit Regierungsvorgehen

Erst zwischen 2022 und 2024 gab es eine Verpackungsregelung, die den Schwarzmarkt drastisch befeuert hatte – sogar der Zoll hatte dies moniert.

Denn in den Bars werden kleine Portionen verkauft, damit die Kunden vor Ort eine Wasserpfeife rauchen können. Dafür kaufen Barbetreiber große Packungen, aus denen sie eine Vielzahl an Einzelportionen machen. Diese Vereinzelung ist aber verboten, weil die Barbetreiber dann weniger Steuern zahlen. Dennoch ist sie üblich in der Branche. Der Zoll geht zwar immer mal wieder mit Razzien dagegen vor, ist letztlich machtlos. Denn so mancher Barbetreiber nimmt das Risiko einer Geldbuße einfach in Kauf.

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