Er wagt die Konfrontation

Klingbeil kämpft – doch er steht fast allein


01.09.2026 – 20:00 UhrLesedauer: 4 Min.

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Klingbeil beim G20-Treffen: Komplizierte Ausgangslage. (Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Finanzminister Klingbeil pocht auf dem G20-Gipfel auf die Einhaltung internationaler Regeln, doch die Großmächte verfolgen andere Interessen. Entscheidend aus deutscher Sicht ist jetzt vor allem eins.

Es war in vielerlei Hinsicht ein ungewöhnliches Treffen, zu dem die Finanzminister der Gruppe der 20 (G20) am Montag und Dienstag in der US-Kleinstadt Asheville aufeinandertrafen.

Ob der Eklat um die Teilnahme des russischen Finanzministers, der einen Foto-Boykott zur Folge hatte, die Ausladung eines offiziellen G20-Mitglieds oder das Hausverbot für Journalisten: Die Trump-Regierung zeigte einmal mehr, wie wenig sie sich um Konventionen oder Regeln schert und wie kompromisslos sie ihre eigene Agenda verfolgt. In der allgemeinen Erregung war es für Bundesfinanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) also gar nicht so leicht, seine zwei Kernbotschaften unterzubringen.

Er versuchte es trotzdem. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesbankpräsident Joachim Nagel am Dienstag erklärte Klingbeil wie schon tags zuvor, worum es ihm bei dem Treffen ging. Deutschland trete ein für die „regelbasierte Ordnung“ und den „Multilateralismus“, für die „Stärke des Rechts“ statt das „Recht des Stärkeren“, sagte Klingbeil.

Mit Letzterem dürfte er nicht nur Russland meinen, das in der Ukraine immer mehr „brutale Raketenangriffe auf die Zivilbevölkerung“ ausführt, so Klingbeil. Auch Chinas unfaire Marktpraktiken und die aggressive Zollpolitik der USA sowie der Iran-Krieg konterkarieren eine Welt, wie der deutsche Vizekanzler sie sich wünscht.

Klingbeil mit erstem Blick in der ersten Arbeitssitzung der G20-Finanzminister. Nicht weit von ihm entfernt sitzt der russische Amtskollege. (Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Klingbeil ist nach Asheville gereist, um den anderen G20-Staaten genau das zu vermitteln: Auch wenn die alte Weltordnung von immer mehr Akteuren infrage gestellt wird – Deutschland und die Europäer werden sie nicht aufgeben.

Doch wie aussichtsreich das bei einem Treffen ist, zu dem der russische Finanzminister erstmals seit vier Jahren nicht nur persönlich erscheint, sondern auch – im Gegensatz zu Klingbeil – ein Vieraugengespräch mit US-Finanzminister Scott Bessent erhält?

In der Runde der G20-Finanzminister sitzt erstmals wieder ein russischer Minister. (Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa/dpa-bilder)

G20

Die Gruppe der Zwanzig (kurz G20) ist ein informeller Zusammenschluss aus 19 Staaten, der Europäischen Union und der Afrikanischen Union, den es seit 1999 gibt. Die G20 repräsentiert die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. Ihre Treffen dienen dem Austausch über Probleme des internationalen Wirtschafts- und Finanzsystems. In diesem Jahr haben die USA den Vorsitz.

Der problematische Gast aus Russland

Klingbeils Devise ist es, aus einer schwierigen Lage, die nicht zu ändern ist, das Beste zu machen. Seine zweite Kernbotschaft lautet daher: Deutschland soll seine militärische und wirtschaftliche Macht ausbauen, um sich dadurch weniger erpressbar und abhängig von Großmächten zu machen.

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