Rund 900.000 menschliche Genome analysiert

Trägt fast jeder mehrere „gefährliche“ Erbanlagen in sich?


22.10.2026 – 14:03 UhrLesedauer: 3 Min.

Ein erhöhtes genetisches Krankheitsrisiko bedeutet nicht, dass man tatsächlich erkrankt. Ein Arzt kann helfen, auffällige Testergebnisse richtig einzuordnen. (Quelle: seb_ra/Thinkstock by Getty-Images-bilder)

Forscher haben das „durchschnittliche“ menschliche Erbgut charakterisiert. Das Ergebnis könnte den Sinn von Gentests infrage stellen.

Wer sein Erbgut untersuchen lässt, hofft auf Klarheit über die eigene Gesundheit. Doch der Befund könnte bedrohlicher klingen, als er ist: Laut einer neuen Untersuchung trägt jeder Mensch mehrere potenziell „gefährliche“ Genvarianten im Erbgut – solche also, die mit Krankheiten in Verbindung stehen. Das bedeutet allerdings keineswegs, dass jeder die entsprechenden Krankheiten entwickeln wird.

Gene und Krankheiten – so hängt beides zusammen

Die Gene enthalten die Bauanleitungen für viele Vorgänge im Körper. Verändern sich diese Anleitungen, kann das Krankheiten verursachen oder das Risiko dafür erhöhen. Manche Erbkrankheiten entstehen durch Veränderungen in einem einzigen Gen. Bei häufigen Erkrankungen wie Diabetes oder Herzkrankheiten spielen dagegen meist viele Gene zusammen. Zudem entscheiden äußere Einflüsse wie der Lebensstil mit darüber, ob jemand tatsächlich krank wird.

Forscher der Universität Exeter wollten nun wissen: Wie viele genetische Veränderungen trägt ein Mensch durchschnittlich in sich? Und wie häufig kommen darunter solche vor, die mit Krankheiten in Verbindung stehen?

Rund 900.000 Genome ausgewertet

Um diese Fragen zu klären, analysierte das Team Daten von 879.461 Erwachsenen aus Großbritannien und den USA. Diese hatten an Forschungsprojekten teilgenommen, in denen ihre DNA anhand von Blut- oder Speichelproben bereits entschlüsselt worden war.

Um die genetischen Informationen auszuwerten, nutzten die Forscher ein sogenanntes Referenzgenom. Das ist eine Art Muster für das menschliche Erbgut, das Wissenschaftler aus DNA-Daten zusammengestellt haben. Es zeigt, in welcher Reihenfolge die rund drei Milliarden Bausteine der menschlichen DNA angeordnet sind. Man kann es sich wie einen langen Text vorstellen, mit dem sich das Erbgut einzelner Menschen vergleichen lässt.

Denn dieser Text sieht nicht bei jedem Menschen genau gleich aus. An manchen Stellen stehen andere DNA-Bausteine, manchmal fehlen kurze Abschnitte oder es kommen welche hinzu. Solche Unterschiede entstehen ursprünglich durch zufällige Veränderungen der DNA, etwa wenn diese bei der Bildung von Ei- oder Samenzellen kopiert wird. Viele davon werden über Generationen weitervererbt.

Die Wissenschaftler ließen Computer zählen, an wie vielen Stellen sich das Erbgut jedes Teilnehmers von der Vorlage unterschied. Anschließend prüften sie, wie häufig diese Unterschiede bei anderen Menschen vorkommen und welche davon bereits mit Krankheiten in Verbindung gebracht wurden.

Millionen Unterschiede – meist ohne Folgen

Das Ergebnis: Bei jedem Menschen fanden sich typischerweise 4,3 bis 5,3 Millionen Unterschiede zu dieser Vorlage. Die allermeisten sind weitverbreitet und haben vermutlich keine spürbaren Folgen.

Im Schnitt entdeckten die Forscher auch ein bis drei seltene Veränderungen, die als Ursachen von Erbkrankheiten bekannt sind. Das heißt aber nicht, dass die Betroffenen krank sind. Bei vielen dieser Krankheiten müssen beide Kopien eines Gens verändert sein – eine von der Mutter und eine vom Vater. Wer nur eine veränderte Kopie hat, bleibt meist gesund.

Hinzu kamen etwa 50 seltene Veränderungen pro Person, bei denen selbst Fachleute noch nicht wissen, ob sie gesundheitliche Folgen haben.

Warum ein Gentest gleich mehrere Risiken melden kann

Anschließend untersuchten die Forscher anhand der britischen Daten, wie hoch das erbliche Risiko der Teilnehmer für 28 Krankheiten war, darunter Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schizophrenie. Dazu prüften sie, welche genetischen Merkmale jeder Teilnehmer hatte, und berechneten daraus für jede Krankheit einen Risikowert. Je höher dieser Wert, desto größer das genetisch bedingte Krankheitsrisiko.

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