Wegen geplantem Kohleausstieg
Experten befürchten Stromknappheit in NRW
08.11.2026 – 13:29 UhrLesedauer: 2 Min.
Das Land NRW will bis 2030 aus der Braunkohle-Verstromung aussteigen. Weil aber der Ausbau der geplanten Gaskraftwerke stockt, drohen im Winter Versorgungsprobleme.
Nordrhein-Westfalen könnte nach Einschätzung von Energieökonomen in den Wintern 2031 und 2032 Probleme bei der Stromversorgung bekommen, wenn die geplanten Gaskraftwerke bis dahin nicht am Netz sind. Das Land will bis 2030 aus der Braunkohle-Verstromung aussteigen.
Der Ausbau der als Ersatz geplanten Gaskraftwerke stockt, sie könnten erst rund zwei Jahre nach dem geplanten Kohle-Aus ans Netz gehen. Damit ist der Zeitplan ins Wanken geraten. Manuel Frondel, Energieökonom am RWI-Leibniz-Institut in Essen, sagte dem WDR und dem „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Der Ausstieg kann meines Erachtens nicht funktionieren, wenn wir nicht riskieren wollen, dass die Versorgungssicherheit leidet und die Strompreise weiter steigen.“
Er rechne damit, dass der Beschluss zum vorgezogenen Kohleausstieg noch gekippt werde. Die Praxis werde dafür sorgen, dass die Kohlekraftwerke nicht 2030 abgeschaltet würden. Niemand wolle Stromknappheit und explodierende Preise riskieren.
Opposition im NRW-Landtag ist alarmiert
Skeptisch äußerte sich auch der Bochumer Energieökonom Andreas Löschel, Berater von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Nach den Ausschreibungen für die Reserve-Gaskraftwerke müsse man genau hinschauen, wie die Versorgungssicherheit in den Wintern 2031 und 2032 aussehe. Der schwarz-grünen Landesregierung rate er, ihr Vorgehen zu überdenken.
Die Landtagsopposition zeigt sich alarmiert. SPD-Fraktionschef Jochen Ott sagte dem WDR und dem „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Jetzt zeigt sich, dass die Zeitpläne für den Ausstieg aus der Braunkohle und den Aufbau neuer Kraftwerkskapazitäten nicht zusammenpassen.“ Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) habe „jetzt die letzte Gelegenheit, den Menschen reinen Wein einzuschenken und offen zu sagen, wohin die Reise geht“.
Versuche die Landesregierung, die Entscheidung bis nach der Landtagswahl hinauszuzögern, verschärfe sie die Unsicherheit und riskiere weiteres Chaos. Die Unternehmen benötigten Planungssicherheit. FDP-Fraktionschef Henning Höne forderte „mehr Ehrlichkeit“. Er befürchte, die Landesregierung spiele unter Mithilfe der Bundesregierung auf Zeit. Schwarz-Grün wolle verhindern, dass „das Prestigeprojekt vorgezogener Kohleausstieg“ vor der Landtagswahl im April abgeräumt werden müsse.