Doch seit dem Amtsantritt von Donald Trump sei dies ohnehin ein Irrglaube gewesen, so Hoffmann, die Abschreckungswirkung der Tomahawks wäre damit begrenzt gewesen. Insofern sei die Absage womöglich besser, so Hoffmann: „Jetzt haben wir Klarheit. Auf die USA ist kein Verlass.“ Deutschland müsse jetzt umso schneller und entschlossener den Aufbau eigener Fähigkeiten vorantreiben.
Auch der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Christoph Schmid, warnte vor voreiligen Schlüssen. Zunächst gelte es, die weitere Entwicklung abzuwarten, sagt Schmid zu t-online. „Einzelne Bewertungen über mögliche „Abschreckungslücken“ sollten daher mit der gebotenen Nüchternheit und auf Basis gesicherter Informationen vorgenommen werden.“ Unabhängig davon zeige die aktuelle Debatte einmal mehr, dass Europa seine eigenen Fähigkeiten im Bereich der Abschreckung und Verteidigung konsequent weiterentwickeln müsse. „Dies umfasst auch die beschleunigte Entwicklung und Beschaffung moderner Fähigkeiten, einschließlich solcher mit größerer Reichweite.“ Dies müsste jedoch „eingebettet in multilaterale Strukturen und abgestimmt mit unseren Bündnispartnern“ stattfinden, so Schmid.
Kurzfristig: nein. Bislang verfügt Deutschland in der Kategorie weitreichende Abstandswaffen („Deep Precision Strikes“) nur über den Marschflugkörper Taurus mit einer geschätzten Reichweite von 600 bis 700 Kilometern. 600 Stück der modernen Variante („Taurus Neo“) sind bestellt, werden aber erst ab 2029 ausgeliefert.
Eine Möglichkeit wäre es nun, solche Waffen gemeinsam mit anderen europäischen Staaten zu entwickeln. Mehrere solcher Initiativen zur Entwicklung konventioneller Langstreckenwaffen gibt es im Rahmen des Elsa-Programms („European Long Range Strike Approach“.
