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Experten fordern Mut statt Pessimismus

wochentlich.deBy wochentlich.de31 Mai 2026Keine Kommentare3 Mins Read
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Experten fordern Mut statt Pessimismus
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Die deutsche Autoindustrie verliert an Tempo. Im Gespräch mit t-online analysieren zwei Experten, was Deutschland jetzt vor allem benötigt.

Lange galt die deutsche Automobilindustrie als Synonym für technische Exzellenz. Deutsche Hersteller dominierten den Weltmarkt mit Qualität, Ingenieurskunst und starken Marken. Doch dieses Selbstverständnis ist ins Wanken geraten. Chinesische Hersteller haben mit hoher Geschwindigkeit, Tesla hat die Industrie technologisch unter Druck gesetzt, gleichzeitig steigen Energiekosten, Bürokratie und geopolitische Risiken. Für Harald Hamprecht und Thomas Sedran steckt die Branche deshalb mitten in einem historischen Umbruch.

Sedran kennt die Industrie aus zahlreichen Führungspositionen, unter anderem als Opel-Chef, CEO bei VW Nutzfahrzeuge und CFO der VW-Softwaretochter Cariad. Hamprecht arbeitete lange als Journalist und später als Kommunikationschef bei Opel. Im Gespräch mit t-online analysieren sie, warum die deutsche Autoindustrie ins Hintertreffen geraten ist – und wie ein Comeback gelingen könnte.

t-online: Herr Hamprecht, Herr Sedran, Sie sprechen von einem „perfekten Sturm“ in der deutschen Autoindustrie. Was meinen Sie damit?

Harald Hamprecht: Vier Dinge kommen gleichzeitig zusammen – mit einer Wucht, die die Branche in eine nie dagewesene Krise geführt hat. Erstens die technologische Disruption. Zweitens völlig veränderte Rahmenbedingungen: Energie ist teuer, Sicherheit ebenfalls. Drittens: Deutschland und die Industrie haben China mit groß gemacht – doch dieser Absatzmarkt bricht jetzt teilweise weg. Und der vierte Punkt: Früher konnte man hohe Kosten in Deutschland durch bessere Produkte, Qualität, Innovationsstärke und höhere Preise kompensieren. Auch dieser Vorsprung ist geschmolzen.

Thomas Sedran: Die deutschen Hersteller haben in China jahrzehntelang sehr viel Geld verdient. Mit dem Wechsel zur Elektromobilität hat dort aber ein massiver Wandel stattgefunden. Die chinesischen Hersteller sind extrem schnell besser geworden – besonders bei der Technologie. Da sieht man plötzlich Funktionen und denkt: Das hatten wir bei uns in der Forschung auch schon gesehen, aber nie umgesetzt. Die Chinesen machen es einfach.

imago images 0856658735Vergrößern des Bildes
BYD-Vizechefin Stella Li auf dem Filmfestival in Cannes: Die chinesische Marke ist mittlerweile auch in Europa angekommen. (Quelle: IMAGO/Piovanotto Marco/ABACA/imago)

Die Krise ist also nicht nur die Folge äußerer Entwicklungen, sondern auch eigener Fehler?

Hamprecht: Ja, man kann es mit dem Sport vergleichen: Die deutsche Automobilindustrie war wie ein Spitzensportler, der zu lange ganz vorn war und dadurch träge wurde. Jetzt ziehen Wettbewerber links und rechts vorbei – vor allem aus China – und zwar mit enormer Geschwindigkeit.

Sedran: Wenn du lange erfolgreich bist, entsteht schnell dieses Gefühl: Das wird schon wieder. Aber die Gesetze der Physik und der Ökonomie gelten eben trotzdem. Dass die chinesischen Anbieter aufholen würden, war ja bekannt. China hat seine Industriepolitik offen in den Fünfjahresplänen formuliert. Aber wie schnell die Hersteller dort besser geworden sind, hat viele überrascht. Gleichzeitig überwog die Hoffnung: Unsere Marken sind stark genug, das schaffen wir schon.

Wie erklärt sich diese Trägheit der deutschen Hersteller?

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