Cyberangriffe auf Supermärkte
„Man fasst sich an den Kopf“: Experte warnt vor weiteren Attacken
Aktualisiert am 05.11.2026 – 16:31 UhrLesedauer: 3 Min.
Hacker manipulieren Kühlanlagen in europäischen Supermärkten. Ein Cybersicherheitsexperte warnt im Gespräch mit t-online vor einer wachsenden Gefahr.
Statt Lebensmittel zu kühlen, heizen die Anlagen plötzlich auf. In mehreren europäischen Ländern, darunter auch Deutschland, haben Hacker in den vergangenen Tagen die Steuerung von Supermarkt-Kühlanlagen manipuliert. Teilweise wurden Temperaturen von bis zu 50 Grad eingestellt. Große Mengen an verdorbenen Lebensmitteln mussten entsorgt werden.
In Frankreich waren sogar Kühlräume für Blutplasma betroffen. An drei Standorten des nationalen Blutspendedienstes EFS manipulierten Angreifer über die Technik eines Dienstleisters die Temperatur- und Abtaugrenzen. Alarmsysteme schlugen jedoch rechtzeitig an. Blutprodukte kamen nicht zu Schaden.
In Deutschland sind unter anderem Supermärkte in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bayern betroffen. Der dänische Kühltechnikhersteller Danfoss bestätigte, dass auch Geräte des Unternehmens Ziel der Angriffe wurden, und arbeitet nach eigenen Angaben mit betroffenen Kunden an Lösungen.
„Man fasst sich an den Kopf“, sagt Matthias Schulze, Cybersicherheitsexperte bei den Berliner Security Research Labs und Fellow am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH). Dass solche Angriffe möglich seien, habe mehrere Gründe, erklärt er im Gespräch mit t-online. Einer davon: Viele Kühlanlagen sind für die Fernwartung mit dem Internet verbunden. Gleichzeitig kommen teils veraltete Systeme zum Einsatz, die seit Jahren keine Sicherheitsupdates mehr erhalten haben.
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Hinzu kommt, dass viele Geräte über lange Zeiträume betrieben werden. „Wenn man einmal eine Schwachstelle in einem solchen Ding hat, dann funktioniert die bei allen ähnlichen Kühlschränken“, erklärt Schulze. Betreiber hätten solche Anlagen bei ihrer IT-Sicherheit häufig nicht ausreichend im Blick. Zudem seien Betreiber industrieller Systeme bei Softwareupdates vorsichtig, weil Ausfälle den laufenden Betrieb beeinträchtigen könnten. Schulze warnt vor weiteren Angriffen auf vernetzte technische Anlagen.
Experte: „Es wird wahrscheinlich erst mal schlimmer werden“
Besorgt ist Schulze besonders über die Cybersicherheit in Kombination mit dem zunehmenden Einsatz Künstlicher Intelligenz. Diese mache es Angreifern leichter, Sicherheitslücken in auch in wenig verbreiteter Spezialsoftware aufzuspüren, die bisher aus Kapazitätsgründen kaum jemand geprüft hat. Früher mussten diese aufwendig von Hand ausfindig gemacht werden. Heute lassen sich diese Prozesse teilweise automatisieren.
Schulze rechnet deshalb mit einer Zunahme vergleichbarer Angriffe. „Es wird wahrscheinlich erst mal schlimmer werden, bevor es besser wird“, sagt er. Ob bei den jüngsten Attacken bereits KI eingesetzt wurde, sei allerdings nicht bekannt.
