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Experte warnt vor KI-Deregulierung in den USA

wochentlich.deBy wochentlich.de22 Januar 2025Keine Kommentare4 Mins Read
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Experte warnt vor KI-Deregulierung in den USA
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Donald Trump will die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz in den USA vorantreiben. KI-Experte Eldar Sultanow warnt vor möglichen Risiken für Deutschland.

US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz in den USA durch das Projekt „Stargate“ voranzutreiben. Dabei sollen mindestens 500 Milliarden US-Dollar in Infrastruktur für neue Technologien investiert werden. In diesem Zusammenhang wurde ein Dekret von Ex-Präsident Joe Biden zur Regulierung von KI aufgehoben. Auch wenn die bisherigen Sicherheitsbewertungen der Unternehmen in den USA weitestgehend auf freiwilliger Mitarbeit beruhten, gibt es damit für große Firmen wie OpenAI und Google künftig keine Richtlinien mehr bei der Entwicklung von KI.

Eldar Sultanow ist einer der führenden IT-Strategen in Deutschland. Er ist Experte für Künstliche Intelligenz und digitale Menschlichkeit. Im Interview mit t-online erklärt er, welche Folgen das Projekt „Stargate“ für Europa haben wird.

t-online: Herr Sultanow, viele Kritiker warnen vor einer unkontrollierten KI-Entwicklung – Datenschutz-Verletzungen und der Verlust von Arbeitsplätzen sind da noch die harmlosen Szenarien. Welche Risiken sehen Sie, wenn Regulierungen gelockert oder gar aufgehoben werden?

Eldar Sultanow: Das amerikanische Prinzip war schon immer: Fehler machen und hinterher korrigieren – Hauptsache wir machen erst mal. Wenn irgendwo ein roter Knopf ist, analysieren wir Deutsche diesen Knopf jahrelang mit einer Lupe – und die Amis drücken einfach drauf und gucken, was passiert. Natürlich könnten sich daraus in der Theorie etliche düstere Szenarien ergeben.

Die Deregulierung von KI birgt erhebliche Risiken für das gesellschaftliche Vertrauen in diese Technologie, da ohne Qualitätskontrollen vermehrt Fehler in kritischen Bereichen wie medizinischer Diagnostik, Verkehr oder Strafverfolgung auftreten können. Durch voreingenommene KI-Systeme könnten sich zudem Diskriminierungen und soziale Ungleichheit verstärken. Schwache Datenschutzrichtlinien gefährden die Privatsphäre, Cyberkriegsführung und Desinformationskampagnen könnten zunehmen.

Eldar Sultanow ist einer der führenden IT-Strategen in Deutschland, promovierter Wirtschaftsinformatiker und blickt auf mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Softwareentwicklung zurück: von der Programmierung bis hin zum KI-Design.

Sie sagten, das alles wäre nur theoretisch möglich. Was ist denn das realistischere Szenario?

Was Trump macht, ist unglaublich pfiffig: Er investiert in die Infrastruktur und nimmt Unternehmen Hürden. Die Chinesen machen das genauso – und die Amerikaner müssen da nachziehen. Sie haben versucht, China mit Exportbeschränkungen und -kontrollen in Schach zu halten – und das hat nicht geklappt. Unterm Strich wird sich durch die Deregulierung gar nicht so viel ändern. Im Wettrennen mit China war aber die Entscheidung von Trump, Wilder Westen bei der KI zu spielen, ein erforderlicher Schritt.

Wo steht Europa in diesem Wettrennen der besten Technologien?

Wir sind gar nicht mehr Teil des Spiels, weil wir die eigenen Spielregeln viel zu kompliziert gemacht haben. Gerade die Pharmaindustrie ist in Deutschland stark reguliert. Führende Unternehmen werden jetzt in die USA gelockt, weil sie da freier in der Entwicklung sind.

2025-01-22 17:57:45.612 – 1737568665612

Wie groß ist denn die Gefahr eines militärischen Wettrennens? Es wurde ja bereits nachgewiesen, dass Menschen mithilfe von KI biologische Waffen entwickeln könnten.

Die Gefahr besteht natürlich. Noch sind solche drastischen Einsatzmittel selbst in China reguliert, möglicherweise wird das in den USA dahingehend auch noch angepasst. Aber wir brauchen keine KI, um die Menschheit auszulöschen. Das ist eine Debatte, die geführt werden muss, weil wir Menschen sind und wir alle menschlich bleiben sollten. Aber es werden ja bereits Stämme vom Ebolavirus in Laboren gehalten, es gibt nukleare Mittel – das Potenzial, den Planeten zu zerstören, ist längst da.

„Allgemeine Künstliche Intelligenz“ (AGI / „Artificial General Intelligence“) bezeichnet eine hypothetische Form der KI, die in der Lage wäre, jede geistige Aufgabe zu bewältigen, die auch ein Mensch ausführen kann. Anders als die heute existierenden KI-Systeme, die nur für spezifische Aufgaben wie Bilderkennung oder Textverarbeitung optimiert sind, könnte eine AGI flexibel denken, lernen und ihr Wissen auf neue Situationen übertragen. Allerdings existiert eine solche AGI bisher nur als theoretisches Konzept, und es ist unter Experten umstritten, wann oder ob sie überhaupt entwickelt werden kann.

Trotzdem haben viele Menschen Angst davor, dass die KI irgendwann die Kontrolle übernimmt und selbst über Leben und Tod entscheidet – Stichwort „Allgemeine Künstliche Intelligenz“.

Es gibt viele Studien und Schätzungen zu diesem Konzept der Singularität, ob und wann eine KI jemals in der Lage sein wird, selbstständig Entscheidungen zu treffen. Demnach sind die führenden Experten der Meinung, dass eine sogenannte AGI mit einer 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit zwischen 2040 und 2050 kommen wird und mit einer Wahrscheinlichkeit von nahezu 90 Prozent bis 2075. Das wird auch „Stargate“ nicht abkürzen, also ich mache mir da überhaupt keine Sorgen. Diese ganzen Marketingsprüche, die das Jahr 2029 vorhersagen – das wird nicht passieren. Dazu muss eine KI ein Bewusstsein haben, und das hat sie noch lange nicht.

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