Das machen Sie in Ihrer Biografie auch mit der Bewertung sämtlicher Trainer und Sportchefs während Ihrer Zeit auf Schalke deutlich. Für vorab gedruckte Passagen gab es viel Kritik.

Ich finde, wenn man das gesamte Buch liest, ist das nicht wirklich hart, sondern ausgewogen und fair. Zudem beinhaltet es auch wahnsinnig viele schöne Momente und ich nehme mich teilweise auch selbst auf die Schippe. Es ist einfach komplett authentisch und ehrlich.

Ist der heutige Profi-Fußball nicht mehr ehrlich?

Ich habe das Gefühl, es wird immer weniger.

Einerseits wird die Medienlandschaft immer brutaler. Andererseits wird der heutige Fußball-Profi immer glatt polierter und lieber. Ich finde es schade, dass fast niemand mehr wirklich seine Meinung sagt. Die Interviews nach Spielende kann man sich gar nicht mehr anhören, weil immer nur das Gleiche gesagt wird. Aber hinter jedem Spieler steckt eine eigene Geschichte und ein eigener Charakter und das sollte man doch auch zeigen.

Sie beschreiben, dass Sie während Ihrer Karriere zwei Persönlichkeiten hatten: der nette Privatmensch und „der Wichser“ auf dem Platz.

Ich glaube, jeder Torhüter hat so etwas Verrücktes an sich einfach. Du musst auch verrückt sein, um im leistungsorientierten Fußball weiterzukommen und da hat jeder zwei Gesichter. Ich bin jetzt froh, dass ich ein bisschen ruhiger geworden bin.

Wie wurde der Umschwung Ihrer Persönlichkeit von den Mitspielern gesehen?

Wenn man auf das Spielfeld geht, muss man sich auf den anderen verlassen können. Und da bin ich nicht der Einzige, der so switchen kann. Denn jede Woche vor 60.000 Menschen zu spielen, macht etwas mit einem. Und genau das wollte ich mit der Aussage aufzeigen: Wie denken Profi-Fußballer und was geht bei ihnen im Kopf ab?

Haben Sie dafür auch mit einem Mentalcoach zusammengearbeitet?

Ich glaube, jeder Spitzensportler, der alles aus sich rausholen will, arbeitet mit einem Mentalcoach zusammen. Man lernt einfach, wie man mit Konzentration, Niederschlägen und Druck umgeht. Das hilft, um eine gewisse Balance in sich selbst zu finden. Vor 20 Jahren war das noch verpönt, aber jetzt ist es völlig normal.

Braucht es noch einmal fünf Prozent Extra-Verrücktheit, um am Ende bei einem so emotionalen Klub wie Schalke bestehen zu können?

Das weiß ich nicht. Man merkt einfach sehr schnell, dass es ein besonderer Verein ist, bei dem viel Druck herrscht und man als Spieler viel Verantwortung hat. Schalke ist ein 24/7-Job, der dich nicht loslässt. Das zeigen auch die Beispiele an Ex-Spielern, die im Nachhinein sagen, dass Schalke die emotionalste Zeit ihrer Karriere war.

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