Unter Spionageverdacht
Ex-BND-Chef Hanning festgenommen
Aktualisiert am 06.10.2026 – 10:58 UhrLesedauer: 2 Min.
Der frühere BND-Präsident August Hanning wurde festgenommen. Es besteht Haftbefehl aufgrund schwerer Vorwürfe.
Der frühere Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), August Hanning, ist am Dienstagmorgen verhaftet worden. Beamte des Bundeskriminalamts und der Bundesanwaltschaft vollstreckten nach Informationen von t-online einen Haftbefehl gegen den 80-Jährigen. Das sagte ein Sprecher des Generalbundesanwalts t-online. Auch „Bild“, NDR, WDR und „Süddeutsche Zeitung“ berichten über die Verhaftung.
Gegen Hanning wird unter anderem wegen des Verdachts auf landesverräterische Ausspähung, das Auskundschaften von Staatsgeheimnissen, versuchten Landesverrat und geheimdienstliche Agententätigkeit ermittelt. Er soll in „intensivem Austausch mit einem Angehörigen eines anderen staatlichen Nachrichtendiensts“ gestanden haben, den er mit politischen Informationen versorgte, die zum Teil auf Material des Bundesnachrichtendienstes basierten.
Zeitgleich wurde in Bad Tölz sein früherer Büroleiter und Assistent, Manfred D., festgenommen, wie der Sprecher des Generalbundesanwalts sagte. D. wird Beihilfe zum versuchten Landesverrat und zur landesverräterischen Ausspähung vorgeworfen. Er arbeitete noch bis zum Frühjahr 2026 für den Leitungsstab des BND, über die Jahre auch für mehrere Präsidenten des Nachrichtendiensts als Büroleiter. Dabei hatte er Zugriff auf zahlreiche geheimhaltungsbedürftige Informationen.
Rund 2.000 Dokumente wohl weitergegeben
Den Ermittlungen zufolge soll D. seinen früheren Chef über mehr als zehn Jahre hinweg gegen Geld mit geheimen und wertvollen Informationen aus dem Nachrichtendienst versorgt haben. Insgesamt sollen auf diesem Weg rund 2.000 Dokumente bei Hanning gelandet sein. Die jüngsten Unterlagen sollen aus dem Jahr 2022 stammen. Zu diesem Zeitpunkt war Hanning bereits seit rund 17 Jahren nicht mehr für den BND tätig.
Unter den Dokumenten sollen sich besonders sensible Informationen befunden haben. Sie seien für die sogenannte Nachrichtendienstliche Lage im Kanzleramt bestimmt gewesen, bei der sich die Spitzen der deutschen Sicherheitsbehörden regelmäßig austauschen. NDR, WDR und „Süddeutsche Zeitung“ berichten zudem unter Berufung auf Sicherheitskreise von Unterlagen über das iranische Atomprogramm und das russische Militär. Auch Informationen ausländischer Partnerdienste sollen darunter gewesen sein.
Die Ermittler gehen dem Verdacht nach, dass Hanning die Informationen nicht nur für sich behielt, sondern sie im Rahmen seiner privaten Beratertätigkeit gewinnbringend verwertete. In mindestens einem Fall soll er auf Grundlage des Materials eine Sicherheitsanalyse für einen ausländischen Nachrichtendienst erstellt haben. Um Russland soll es sich dabei nach den Recherchen nicht gehandelt haben. In einem weiteren Fall soll Hanning Erkenntnisse aus internen BND-Unterlagen für die Kommunikation mit einem ausländischen Agenten genutzt haben.
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Die Ermittlungen gehen laut Generalbundesanwalt auf Funde aus einer Hausdurchsuchung bei Hanning zurück, die die Hamburger Staatsanwaltschaft im Rahmen von Ermittlungen gegen Christina Block im September 2025 vollzogen hatte. Im Mai 2026 wurde der Generalbundesanwalt eingeschaltet. Die Beschuldigten sollen am Dienstag und Mittwoch dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt. Dieser soll ihnen die Haftbefehle verkünden und über eine Untersuchungshaft entscheiden.
