Was ist dieses Mal anders als sonst?

Der Boykott durch gleich fünf Länder ist eine neue politische Dimension beim ESC. Spanien, Island, Irland, Slowenien und die Niederlande bleiben fern, weil sie das Vorgehen Israels im Gazastreifen verurteilen – und nicht an einem Wettbewerb teilnehmen wollen, in dem Israel vertreten ist. Damit schrumpft die Zahl der teilnehmenden Länder auf 35, so wenig wie seit Jahren nicht mehr. Deutschland – und Gastgeber Österreich – haben nie Zweifel aufkommen lassen, dass sie teilnehmen werden und Israel willkommen sei.

Wen schickt Israel?

Noam Bettan geht in diesem Jahr mit dem emotionalen und energischen Song „Michelle“ für Israel an den Start. Der Sohn französischer Einwanderer hat seine Teilnahme israelischen Medien zufolge so beschrieben: „Es ist, als würde man sich in die Höhle des Löwen begeben.“ Als Vorbereitung auf Anfeindungen lässt sich der 28-Jährige bei den Proben von seinem Team ausbuhen, wie er der „Bild“-Zeitung sagte.

Noam Bettan tritt für Israel an. (Quelle: IMAGO/Heikki Saukkomaa/imago)

Welche Sicherheitsvorkehrungen gibt es?

Hunderte Polizisten in Uniform und in Zivil sind täglich im Einsatz, darunter auch Kräfte der Spezialeinheit Cobra. Eine Vielzahl von Überwachungskameras soll Hinweise auf mögliche Gefahren liefern. Das FBI hilft nicht zuletzt in puncto Cybersicherheit. Die Stadthalle als Ort der Shows, das ESC-Village vor dem Rathaus, oder Österreichs größte Diskothek im Prater, wo die After-Show-Partys steigen, sind nur nach Sicherheits-Checks zugänglich. Taschen sind nicht erlaubt. 16.000 Menschen, die mit dem Event zu tun haben, wurden von der Polizei überprüft. Im Umkreis der Veranstaltungsorte herrscht ein Drohnen-Flugverbot.

Wie sieht es mit Demos aus?

Bei den Behörden sind mehrere Demonstrationen meist aus dem propalästinensischen Umfeld angemeldet. Jederzeit können weitere dazukommen. Die Polizei rechnet mit spontanen Blockade- und Störaktionen gerade am Finaltag, dem 16. Mai. Rund um die Stadthalle sind solche Aktionen kaum möglich. Die Absperrungen sind weiträumig, Platzverbote können jederzeit ausgesprochen werden. Grundsätzlich gilt aber, dass trotz der Sicherheitsstufe das Versammlungsrecht aufrechterhalten werden soll.

Was ändert sich bei der Abstimmung?

Die Regeln wurden geändert. Für den ESC in Wien wurde die maximale Anzahl der Stimmen des Publikums via Online, SMS und Telefonanruf von 20 auf 10 reduziert. Außerdem redet die Jury wieder stärker mit und kann bereits im Halbfinale ihre Meinung abgeben. Damit reagiert die Europäische Rundfunkunion (EBU) auf das Ergebnis des ESC 2025 in Basel. Die israelische Sängerin Yuval Raphael hatte dank eines überwältigenden Publikumsvotings Platz zwei belegt. Es wurde vermutet, dass diesem Ergebnis eine strategische Mobilisierung der Zuschauer zugunsten Israels zugrunde lag.

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