Demonstrationen
Gen-Z-Demos: Erst friedlicher Protest, dann Zwischenfälle
Aktualisiert am 31.10.2026 – 21:36 UhrLesedauer: 4 Min.
Mehrere Zehntausend Menschen gehen bei Jugendprotesten in mehr als 30 Städten auf die Straße. Anfangs bleibt es meist friedlich. Doch das ändert sich mancherorts am Abend.
Nach einem friedlichen Protest Zehntausender junger Menschen ist es am Abend in mehreren deutschen Städten zu Ausschreitungen gekommen. Aus Frankfurt wurden verletzte Polizisten gemeldet, aus Berlin Flaschen-, Böller- und Eierwürfe und aus Hamburg brennende Barrikaden. In einigen Städten setzte die Polizei Wasserwerfer ein.
Bei einer Demonstration in Berlin-Mitte nahe der bekannten Hackeschen Höfe kam es nach Polizeiangaben zu Eier- und Flaschenwürfen. Auch Böller wurden vereinzelt geworfen. In Frankfurt erlitten nach ersten Erkenntnissen des hessischen Innenministers Roman Poseck (CDU) mehrere Polizisten Verletzungen. Auch in Hannover, Köln und Bremen gab es vereinzelte Zwischenfälle.
Im Vergleich zu den Ereignissen in Frankreich blieb es aber bis zum späten Abend verhältnismäßig ruhig. Im Nachbarland nahmen 320.000 Menschen an Demonstrationszügen teil, davon 70.000 in Paris. Dem Innenministerium zufolge wurden landesweit bis 20 Uhr 511 Menschen festgenommen. In Paris und Lyon setzten Ordnungskräfte Tränengas ein.
Gen-Z-Sprecher: Nur der erste Schritt
Die Initiative „Gen Z regelt“ zog insgesamt ein positives Fazit der Jugendproteste in Deutschland. „Was nach dem Ende der Kundgebungen passiert ist, darauf hatten wir keinen Einfluss“, sagte ein Sprecher vom Presseteam, der öffentlich nur unter seinem Vornamen Amadeo auftreten will. „Heute haben hunderttausend Menschen gezeigt, wofür sie auf die Straße gehen“, sagte Amadeo der Deutschen Presse-Agentur.
Zugleich betonte er, dass seine Initiative in drei Wochen wieder viele junge Menschen für Aktionen mobilisieren wolle. „Für uns ist das nur der erste Schritt. Wir wollen uns an den europaweiten Protesten am 20. November beteiligen.“
Polizeigewerkschaft zieht gemischte Bilanz
Die vorläufige Bilanz der Gewerkschaft der Polizei fiel gemischt aus. Der Vorsitzende für den Bereich Bundespolizei, Andreas Roßkopf, sagte der „Rheinischen Post“ (online): „Die Proteste der Gen Z haben sich als sehr friedlich rausgestellt.“ Nach dem Ende der eigentlichen Veranstaltungen habe sich die Lage jedoch in einigen Städten zugespitzt.
Bei den Gruppen, von denen die Gewalt ausgegangen sei, habe es sich um „autonome und zum Teil vermummte Personen“ gehandelt. Wo nötig, habe die Polizei sehr konsequent und auch massiv eingegriffen. „Die Einsatzkräfte bleiben nun in absoluter Bereitschaft, um eventuell weitere Ausschreitungen auch in den späten Abend- oder Nachtstunden zu verhindern“, so der Gewerkschafter am Abend. Alles in allem habe die Polizei die Lage gut im Griff. „Massive Sachbeschädigungen sind bisher ausgeblieben.“
Aufruf zu Demos in mehr als 30 deutschen Städten
Die Initiative „Gen Z regelt“ hatte zu friedlichen Demonstrationen in mehr als 30 deutschen Städten aufgerufen. Sie fordert mehr Geld für Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie, Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten, für soziale Gerechtigkeit und mehr Klimaschutz. Die Einführung einer Wehrpflicht lehnt sie ab, ebenso einen Ausbau staatlicher Überwachung.
Kurz vor 20.00 Uhr nannte der Sprecher vom Presseteam der Initiative „Gen Z regelt“ eine Teilnehmerzahl von mehr als 100.000, die Zahlen von sechs bis acht Städten würden noch fehlen. Bundesweite Zahlen der Polizei lagen zunächst nicht vor, in einigen Städten fielen sie aber niedriger aus als die Angaben der Veranstalter. Wie viele Menschen am Ende zu den angemeldeten Demos kamen, war offen. Auf der Homepage von „Gen Z regelt“ konnte man mit einem einfachen Mausklick angeben, dabei sein zu wollen.