Mit 95 Jahren

Richter im Mielke-Prozess – Theodor Seidel ist gestorben

27.10.2026 – 00:43 UhrLesedauer: 1 Min.

Theodor Seidel (Archibbild): Der Jurist war Richter am Landgericht. (Quelle: Roman Grafe/-/dpa/dpa-bilder)

Er verurteilte den letzten Mauerschützen und den Ex-Stasi-Chef. Jetzt ist Theodor Seidel mit 95 Jahren gestorben.

Theodor Seidel ist tot. Der Berliner Richter, der in den frühen 1990er-Jahren zwei der bedeutendsten Strafprozesse der deutschen Nachkriegsgeschichte leitete, starb am vergangenen Donnerstag im Alter von 95 Jahren, wie die Nachrichtenagentur dpa aus dem Kreis seiner Familie erfuhr.

Als Vorsitzender Richter am Landgericht Berlin sprach Seidel 1993 das Urteil gegen den früheren DDR-Staatssicherheitsminister Erich Mielke. Mielke soll 1931 im Auftrag der KPD zwei Polizeioffiziere getötet haben. Seidel verurteilte ihn dafür zu sechs Jahren Freiheitsstrafe.

Verfahren zu Todesschüssen an der innerdeutschen Grenze

Bereits ein Jahr zuvor hatte Seidel Geschichte geschrieben: 1992 leitete er als erster deutscher Richter ein Verfahren zu Todesschüssen an der innerdeutschen Grenze. Im Mittelpunkt stand der Tod von Chris Gueffroy. Der 20-Jährige war der letzte Mensch, der bei einem Fluchtversuch an der Berliner Mauer erschossen wurde.

Den Schützen, der die tödlichen Schüsse abgegeben hatte, verurteilte Seidel zu dreieinhalb Jahren Haft. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil später auf; der Mann erhielt schließlich eine Bewährungsstrafe.

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