Ein Sieg gegen einen Gegner, der gar nicht existiert
In Bayern ist man stolz auf die „Liberalitas Bavariae“, also gelebte Toleranz. Scheinbar ist man so stolz darauf, dass man dort nun direkt ein Verbot ausspricht. Klingt absurd und widersinnig? Nicht für die bayerische Regierung, die dazu sogar eine Änderung der Allgemeinen Geschäftsordnung für die Behörden des Freistaates Bayern (AGO) beschlossen hat.
Man wolle all jene vor Nachteilen schützen, die auf geschlechtersensible Sprache verzichten. Die Erzählung von angeblich schlechteren Noten aufgrund fehlender Gendersternchen hatte zuletzt Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) bemüht. An Hochschulen im Freistaat weiß man davon nichts, fast scheint es so, als würde die bayerische Regierung hier gegen Phantome in den Kampf ziehen.
Nicht besonders viel Schutz genießt man dagegen in Bayern, wenn man als Lehrkraft versucht, geschlechtersensibel zu sprechen oder zu schreiben. Die Ansage gegen das Gendern wurde überdeutlich und kämpferisch formuliert, unklar ist aber, ob es Strafen gibt und wie diese aussehen werden.
Bei aller Schwammigkeit in Bezug auf Konsequenzen drängt sich der Verdacht auf, die CSU-Regierung will einfach auf der populistischen Anti-Gender-Welle mitschwimmen. Mit viel Säbelrasseln und rhetorischem Getöse einen Beschluss zu verabschieden, verspricht billige Wählerstimmen ohne viel Aufwand. Echte Bildungspolitik für mehr Chancengleichheit für alle Geschlechter würde deutlich mehr Aufwand bedeuten, auch finanziell.
Stattdessen kommt aus München nur populistischer Ideologiebrei für die nächste Bierzeltrede statt echter Perspektiven. Währenddessen steigt auch in Bayern die Gewalt gegen queere Personen, und Frauen sowie Personen außerhalb des binären Geschlechterspektrums bleiben weiter gewollt unsichtbar. Dafür kann sich das bayerische Kabinett einen Sieg gegen einen Strohmann ans Revers heften, für den sich am Ende des Tages niemand etwas kaufen kann.
