Immer wenn ich jemanden aus einem der neuen Bundesstaaten traf, hatte ich immer das gleiche wie wenn jemand aus Bayern oder niedrigerer Sachsen stammt. Natürlich gibt es regionale Unterschiede. Und lange dachte ich, schließlich haben wir mehr gemeinsam als nicht. Oder?
Es ist eine lange Zeit seit meinen ersten Tagen an der Universität, und es sind Dinge passiert, die mich dazu zwingen, meine naive Sicht auf mein Heimatland zu überdenken: Fremdenfeindlichkeit in verschiedenen Formen wie Pegida, Freial, Chemnitz. Plötzlich versucht ganz Deutschland, „die Ostdeutschen“ zu verstehen. Ich habe den Eindruck, dass kaum ein Tag vergeht, ohne dass eine kluge Person in den Medien gefragt wird, warum die Ostdeutschen so handeln, wie sie es tun. Warum stimmen beispielsweise so viele Menschen für die äußerst rechte Partei AFD?
Meine Ansicht ist ein westdeutsches Privileg
Ich lerne, dass meine rosige Sicht auf Deutschland insgesamt ein westdeutsches Privileg ist. Professor Klaus Schröder ist Leiter der Forschungsvereinigung des SED -Staates der Free University Berlin. Er sagt: „Viele Eastern sagen, dass Westler nicht an uns interessiert sind. Sie interessieren sich nicht für unsere Geschichte und unsere Erzählungen. Und so ist es wirklich.“ Er meint Leute wie mich. Menschen, die sich vorstellen, dass ihre persönliche Perspektive für alle Deutschen gleich ist.
