Skandal beim BVB?

„Zu sich gelockt und missbraucht“


Aktualisiert am 05.10.2025 – 11:49 UhrLesedauer: 3 Min.

BVB-Eckfahne im Signal-Iduna-Park: Borussia Dortmund ist aktuell Tabellenzweiter der Bundesliga. (Quelle: IMAGO/Herbertz / Nico Herbertz/imago-images-bilder)

Konnte ein Klub-Funktionär über Jahre unbehelligt Jugendspieler der „Schwarz-Gelben“ missbrauchen? Ein Enthüllungsbericht offenbart Details.

Borussia Dortmund droht offenbar ein Missbrauchsskandal. Der Ruhrpottklub steht im Zentrum einer Recherche der „Bild“ zu Missbrauchsfällen im Nachwuchsbereich des Vereins. Dem Blatt liegen eigenen Angaben zufolge Unterlagen vor, die belegen sollen, dass mögliche Übergriffe auf Jugendspieler in den 1970er, 80er und 90er Jahren bis heute nicht umfassend aufgearbeitet wurden. Mehr noch: Dortmund soll im Gegenteil sogar versucht haben, die Verdachtsfälle nicht öffentlich werden zu lassen.

Im Zentrum der Vorwürfe stehe dem Bericht zufolge ein langjähriger „mächtiger Spitzen-Manager“ des Klubs, der nicht namentlich genannt wird. Laut Unterlagen war die Vereinsführung spätestens im April 2010 über die Anschuldigungen informiert. Damals habe die Klubführung um Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ein Schreiben des Opferanwalts Thorsten Kahl erreicht, in der Betreffzeile habe nur „Missbrauch“ gestanden.

Kahl habe einen früheren Dortmunder Jugendspieler vertreten, der sich nach Medienberichten über die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche dazu entschlossen hatte, seine eigene Vergangenheit aufzuarbeiten. Die geschilderten Übergriffe hätten zu diesem Zeitpunkt bereits etwa etwa 20 Jahre zurückgelegen und waren damit strafrechtlich verjährt.

Der betreffende Ex-Manager habe sich dem Jugendspieler laut Kahl wiederholt genähert und Erfolg oder Scheitern seiner Profikarriere an „Liebesdienste“ geknüpft. Mehrfach sei der Satz gefallen: „Du willst doch Profi werden.“ Kahl habe dem BVB damals ein fünfseitiges Protokoll mit Schilderungen der Vorfälle übergeben.

Die Schilderungen sind demnach ausführlich: Der Beschuldigte habe sich „ständig“ in der Kabine der Jugendspieler aufgehalten, habe ihnen beim Umziehen und Duschen zugeschaut. Der von Kahl vertretene Spieler sei von ihm zu „Perspektivgesprächen“ in Restaurants und das Privathaus des Managers eingeladen worden. Dort sei es dann zu sexuellen Übergriffen gekommen, „zu Umarmungen, versuchten Küssen und Berührungen im Genitalbereich“, heißt es im Bericht der „Bild“.

Watzke, damals schon Geschäftsführer der Profi-Abteilung, habe dem Anwalt umgehend geantwortet und auf Reinhard Rauball verwiesen, damals Präsident des verantwortlichen Stammvereins. Aus den Unterlagen gehe dem Blatt zufolge hervor, dass Rauball dann die Angelegenheit übernahm. Jedoch: Rauball habe Anwalt Kahl zwar zu einem Gespräch nach Dortmund eingeladen – aber ausdrücklich ohne Anwesenheit des Betroffenen. Rauball „trat sehr arrogant auf, wies jegliches Fehlverhalten zurück“, zitiert die Zeitung Kahl. Solch ein Verhalten sei aus seiner Sicht „damals eine typische Reaktion von betroffenen Organisationen wie der Kirche, Internaten und Sportvereinen“ gewesen.

Auf Anfrage der „Bild“ habe Dortmund nun geantwortet, dass der beschuldigte Manager bei einer internen Befragung alle Vorwürfe zurückgewiesen habe. Dies sei damals auch Anwalt Kahl mitgeteilt worden. Und weiter: Der Vereinsvorstand um Rauball habe den Beschuldigten dann aufgefordert, bis zur Klärung des Falls nicht mehr für den Verein tätig zu sein, und zudem ein Zutrittsverbot für sämtliche Klub-Einrichtungen ausgesprochen.

Share.
Leave A Reply

Exit mobile version