Veröffentlicht am

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sieht die Gefahr möglicher Drohnenangriffe auf den Deutschen Bundestag und andere Verfassungsorgane gestiegen. In einem Brief an Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, über den die Rheinische Post berichtet, fordert er eine dauerhaft verfügbare Abwehrdrohnenabwehr zum Schutz zentraler staatlicher Institutionen.

„Der Schutz der Verfassungsorgane ist angesichts der aktuellen abstrakten Bedrohungslage von besonderer Bedeutung“, schreibt Dobrindt. Die zunehmende Zahl von Drohnensichtungen in den letzten Monaten hat das Bewusstsein der Sicherheitsbehörden weiter geschärft.

Auslöser des Briefwechsels war eine Anfrage von Klöckner im Dezember. Darin stellte der Bundestagspräsident die Frage, inwieweit die neue Drohnenabwehreinheit der Bundespolizei zum Schutz des Parlaments eingesetzt werden könne. In seiner Antwort stellt Dobrindt klar, dass die Einheit im Rahmen der Amtshilfe befristet Unterstützung leisten kann. Die Zuständigkeit für die Drohnenabwehr im Bundestag liegt jedoch weiterhin bei der Landespolizei Berlin.

Drohnen werden für Europa zum Sicherheitsproblem

Die Warnung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Besorgnis über Drohnenvorfälle in Europa wächst. Seit Monaten beschäftigen Drohnen, die in den Luftraum von Nato-Mitgliedstaaten eindringen, die Sicherheitsbehörden des Bündnisses.

Wie real die Gefahr geworden ist, zeigte sich zuletzt in den baltischen Staaten. In Litauen musste sich die politische Führung eine Zeit lang in Sicherheit bringen, nachdem eine Drohne in den Luftraum des Landes eingedrungen war. Sicherheitsbehörden führen mehrere dieser Fälle auf russische GPS-Störungen zurück, die Drohnen vom Kurs abbringen und in NATO-Territorium schicken können.

Auch wiederholte illegale Drohnenflüge über kritische Infrastrukturen und militärische Einrichtungen in Deutschland deuten nach Angaben des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr auf mögliche Aufklärungsversuche ausländischer Akteure hin.

Deutschland baut seine Drohnenabwehr aus

Vor dem Hintergrund der wachsenden Bedrohung durch Drohnen baut Deutschland seine Verteidigungsfähigkeiten weiter aus.

Durch eine Reform des Luftsicherheitsgesetzes wurden die Befugnisse der Bundespolizei und der Bundeswehr erweitert. Künftig ist es den Streitkräften gestattet, Landespolizeikräfte bei der Drohnenabwehr zu unterstützen und als letztes Mittel auch bewaffnete Gewalt anzuwenden, wenn eine Bedrohung nicht auf andere Weise abgewehrt werden kann. Verschlankte Entscheidungsprozesse sollen zudem eine schnellere Reaktion auf Bedrohungen ermöglichen.

Außerdem gibt es ein technisches Upgrade. In Berlin wird über den Aufbau eines umfassenden Detektions- und Abwehrsystems diskutiert. Laut Bild-Zeitung soll ein Netzwerk aus 62 Funksensoren Drohnen frühzeitig erkennen.

Wie verdächtige Flugobjekte im Notfall gestoppt werden sollen, ist noch unklar. Neben dem Abschuss sind auch spezielle Abfangdrohnen im Gespräch, die mithilfe von Netzen andere Drohnen außer Gefecht setzen könnten.

Share.
Leave A Reply

Exit mobile version