Schließungen drohen

Drei von vier Krankenhäusern in den roten Zahlen


01.09.2025 – 13:59 UhrLesedauer: 2 Min.

Rettungswagen (Symbolbild): Viele Krankenhäuser sind nicht mehr wirtschaftlich. (Quelle: Monika Skolimowska/dpa/dpa-bilder)

Die Lage vieler Kliniken ist dramatisch: 75 Prozent arbeiten inzwischen mit Defizit – vor fünf Jahren war es nur ein Drittel. Experten warnen vor weiteren Schließungen und milliardenschweren Investitionslücken.

Krankenhäuser sind oft überlebenswichtig, aber sie sind auch Wirtschaftsunternehmen. Daher hat sie die Unternehmungsberatung Roland Berger unter die Lupe genommen. Das Ergebnis sendet eine dramatische Botschaft.

Drei von vier Kliniken haben im vergangenen Geschäftsjahr Verluste eingefahren. Noch vor fünf Jahren lag der Anteil defizitärer Häuser bei lediglich 32 Prozent. Besonders betroffen sind öffentliche Einrichtungen: 89 Prozent schreiben rote Zahlen, nur neun Prozent erzielen Gewinne. Private Kliniken stehen deutlich besser da – 83 Prozent von ihnen sind profitabel.

„Die Zahl der Krankenhäuser, die negative Ergebnisse schreiben, wird immer größer, und die Anzahl derjenigen, die Gewinn machen, wird immer geringer“, sagte Peter Magunia, Gesundheitsexperte bei Roland Berger.

„Die Defizite sind teilweise sehr, sehr hoch, bei einzelnen Häusern sind es über 100 Millionen Euro Defizit“, so Magunia. Selbst finanzstarke öffentliche Träger stoßen damit an ihre Grenzen. Zwar ist die Zahl der Insolvenzen bislang geringer als befürchtet, doch vielerorts halten Kommunen die Versorgung nur aufrecht, indem sie andere Projekte zurückstellen und Mittel umschichten, erklärt Magunia.

Die Folgen sind absehbar: Mehr Fusionen, die Bildung von Klinikverbünden – und die Schließung einzelner Standorte. „Mehrere Träger tun sich zusammen, bilden einen Krankenhausverbund und schließen ein oder zwei ihrer Häuser“, so Magunia.

Die Branche steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Roland Berger schätzt den Investitionsbedarf in den kommenden Jahren auf rund 130 Milliarden Euro – für Neubauten, Sanierungen, IT und Digitalisierung. Selbst der von der früheren Bundesregierung aufgelegte Krankenhaustransformationsfonds mit 50 Milliarden Euro reicht dafür nicht aus.

Die bereits beschlossene Krankenhausreform sieht bis 2029 eine Neuordnung des Kliniknetzes vor. Das soll nicht nur die Zahl der Standorte verringern, sondern auch den finanziellen Druck mindern, möglichst viele Behandlungen durchzuführen. Parallel will die aktuelle schwarz-rote Koalition kurzfristig vier Milliarden Euro bereitstellen. Wie die Hilfen verteilt werden, ist jedoch noch offen.

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