Klamotten aus dem Secondhandladen
Doch nicht mal Klamotten hatten Spädtke, Deus und Grasser zum Start ihrer Challenge. Deshalb sind sie mit dem Spendengeld des ersten Tages erst einmal in einen Secondhandladen gegangen und haben sich etwas zum Anziehen besorgt. Keine Mode, sondern nur das Günstigste. „Flamingo, Bingo“, kommentiert Deus das schrille Outfit von Grasser, der in einem knallbunten Hawaii-Hemd vor ihm im Rollstuhl sitzt. „Das Geld ist jetzt weg“, ergänzt Spädtke in dem Video bei Instagram, „aber jetzt geht’s weiter. Muss halt.“
Es geht den drei Mittdreißigern bei diesem Projekt nicht nur darum, mit leeren Händen in kürzester Zeit über den Atlantik zu kommen. Nicht um das bloße Abenteuer, sondern um mehr: Es geht um Inklusion. Mit dem Trip wollen sie auf die teilweise extremen Herausforderungen aufmerksam machen, denen Menschen mit Handicap im Alltag begegnen.
Grasser, der mit einer schweren Form der Hirnschädigung (einer infantilen Zerebralparese) lebt, würde normalerweise Wochen der Vorbereitung und umfangreiche personelle Betreuung benötigen, um eine solche Reise zu machen. Für Menschen wie ihn, die mit verkrümmten Gliedmaßen im Rollstuhl sitzen, stellen sich schon bei einer einfachen Zugfahrt in Deutschland enorme Herausforderungen. Ganz zu schweigen von den Komplikationen, die bei einer Reise durch vier Länder und einem Flug über den Atlantik warten.
Geld für gemeinnützige Stiftung sammeln
„Wir wollen den Menschen, die uns dabei zugucken, die das Ganze vielleicht auf Instagram verfolgen, Mut machen, dass sie sich etwas zutrauen können, auch wenn es erstmal utopisch erscheint“, sagt Grasser. „Wir wollen zeigen, dass man auch mit wenig oder nichts etwas schaffen kann.“ Der 36-Jährige weiß genau, wovon er spricht. Er bestieg trotz seines Handicaps schon den rund 400 Meter steil in die Höhe ragenden Corcovado in Rio de Janeiro, er sprang mitsamt Rollstuhl vom 7,5-Meter-Turm und er ist Mitglied des paralympischen Surfteams Deutschlands. „Für uns ist das natürlich auch insofern eine Herausforderung, als wir aus unserer Komfortzone herausmüssen, uns nackt ausziehen, fremde Leute ansprechen, und so weiter.“
