„Sind zur Plage geworden“
Dorf in Südtirol sperrt Touristen aus
Aktualisiert am 03.05.2026 – 20:02 UhrLesedauer: 2 Min.
Ein kleines Dorf in Südtirol wird von Touristen überrannt. Ab Mitte Mai sollen deshalb neue Maßnahmen greifen, um die Besucher abzuschrecken.
Ein pittoreskes Dorf in Südtirol wird seit Jahren von Besuchern aus aller Welt aufgesucht, die das perfekte Selfie machen wollen. Im Villnößtal haben es die Touristen vor allem auf die Kirche St. Magdalena abgesehen, die in einem Tal umgeben von den Dolomiten eingebettet liegt. Doch jetzt haben die Einheimischen genug vom Massentourismus und wollen die Besucher zwischen Mai und November aussperren.
So sollen zwei neue Schranken von Mitte Mai bis November die Straßen zum Ortsteil St. Magdalena sperren, damit können die Tagestouristen mit Auto oder Bus nicht mehr hineinfahren. Um Fotos zu machen, müssen sie stattdessen 15 Minuten zu Fuß gehen. Hotelgäste und Einheimische dürfen noch passieren, berichtet „Der Standard“. Außerdem werden zwei Parkwächter eingesetzt, die Autos und Busse an den Parkplätzen steuern und um Umkehr bitten, wenn kein Platz mehr ist.
Ebenso sollen die Parkplatzgebühren deutlich angehoben werden, von bisher zehn auf 15 Euro. Für Reisebusse kostet das Parken 250 Euro und der Busparkplatz muss vorher online reserviert werden. Pro Tag werden nur noch vier Busse in die Ortschaft kommen dürfen, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“.
Besonders viele Touristen kommen wohl aus asiatischen Ländern – vor allem in Japan, Südkorea und China ist das Bild mit der Kirche vor den Bergen auf sozialen Medien berühmt. Angeblich hat eine chinesische Firma auch mal eine Werbung mit der Kulisse gestartet, seitdem habe sich das Bild in den Köpfen der Menschen dort verankert, so die Vermutung.
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Das Problem ist nicht nur die Menge an Touristen, sondern auch deren Verhalten. Bürgermeister Peter Pernthaler sagte zur Lokalzeitung „Corriere dell’Alto Adige“ schon 2022: „Wir haben es satt, dass Gruppen von Chinesen und Japanern das Tal überfluten, überall parken und nur kurz anhalten, um ein paar Fotos zu machen. Sie hinterlassen nichts außer Müll“.
Der „Süddeutschen Zeitung“ sagt ein Einheimischer, dass in den Monaten Mai, Juni und Oktober täglich bis zu acht Busse mit Touristen ins Dorf kämen, die häufig auch die Privatsphäre der Bewohner missachteten. „Sie rennen durch das hohe Gras, sie gehen zu den Bauernhöfen hin und setzen sich auf die Bänke, sie würden sogar ins Haus und den Stall gehen, wenn wir nicht unseren Wachhund hätten“, zitiert die Zeitung den Mann.
Schon 2023 hat das Dorf erste Maßnahmen gegen den Massentourismus eingeführt, damals wurde die Parkgebühr ebenfalls angehoben und es wurden Verbotsschilder aufgestellt. Bewirkt hat das wenig, weshalb nun zu drakonischeren Maßnahmen gegriffen wird.
