Bestpreisgarantie
Trump-Plan könnte Medikamente in Deutschland verteuern
31.08.2025 – 13:55 UhrLesedauer: 3 Min.
Um die Medikamentenpreise in den USA zu senken, setzt US-Präsident Trump Pharmakonzerne unter Druck. Das könnte auch Folgen für Deutschland haben.
Dass US-Präsident Donald Trump mit Übertreibungen arbeitet, ist nicht neu, doch im Kampf gegen hohe Arzneimittelpreise versucht er sogar die Grenzen der Mathematik zu verschieben. Um bis zu 1.500 Prozent werde seine Regierung die Preise von Medikamenten in den kommenden Monaten senken, versprach er – offenbar in Unkenntnis darüber, dass Pharmakonzerne ihren Kunden dann Geld dafür zahlen müssten, dass sie ihre Arzneien einnehmen.
Dennoch: Das Vorhaben selbst ist Trump ernst. Um die Arzneikosten in den USA zu senken, verlangt er von Pharmakonzernen, ihre Medikamente zum niedrigsten internationalen Preis anzubieten. Bis zum 29. September müssen 17 große Hersteller, darunter Pfizer, Novartis und Eli Lilly, konkrete Vorschläge liefern. Andernfalls droht Trump mit Maßnahmen: „Wir werden jede Waffe in unserem Arsenal einsetzen, um amerikanische Familien vor anhaltend missbräuchlichen Praktiken bei der Preisgestaltung zu schützen“, heißt es in einer Mitteilung des Weißen Hauses.
Bereits während seiner ersten Amtszeit hatte Trump versucht, eine solche Bestpreisgarantie umzusetzen. Damals sollten Erstattungen des staatlichen Gesundheitsprogramms Medicare an die niedrigsten internationalen Vergleichspreise gekoppelt werden. Doch das Vorhaben scheiterte. Es wurde von Gerichten wegen formaler Mängel gestoppt und später von der Biden-Regierung zurückgenommen.
In der jetzigen Legislaturperiode fordert Trump nun, dass die niedrigsten Preise nicht nur für staatliche Programme wie Medicaid und Medicare gelten, sondern auch für den privaten Versicherungsmarkt. Das Ziel: Amerikaner sollen nicht länger „die Innovationskosten der Welt alleine tragen“, wie er formulierte.
Die Differenz ist enorm: Während das Krebsmittel Keytruda in den USA pro Jahr rund 184.000 Euro kostet, liegt der Preis in Deutschland bei knapp 86.000 Euro. Beim Abnehmmittel Ozempic ist der Unterschied noch extremer: Ein Pen kostet in Deutschland rund 200 Euro, in den USA über 900 Euro. Der Hersteller Novo Nordisk hat bereits reagiert und angekündigt, den US-Preis für Selbstzahler zu halbieren. Gleichzeitig erhöhte Eli Lilly in Großbritannien die Preise für eine Abnehmspritze um 170 Prozent.
Der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem von der Universität Duisburg-Essen beobachtet die Entwicklungen mit Sorge. „Für Pharmaunternehmen führt die Bestpreisgarantie zu Umsatzeinbußen in den USA“, sagt er zdfheute.de. Gleichzeitig sei es „illusorisch, dass in Europa die Bereitschaft steigt, mehr Geld für Medikamente auszugeben“. Die Folge: Produktionsstätten könnten sich von Europa in die USA verlagern. Und: „Neben tendenziell steigenden Medikamentenpreisen in Europa wäre weniger Verfügbarkeit die Folge, insbesondere von werthaltigen Arzneimitteln.“
