Top-Dipolmat Wolfgang Ischinger
„Die Iraner sind mit allen Wassern gewaschen“
30.04.2026 – 02:46 UhrLesedauer: 2 Min.
Schlimmer als Milosevic: Ex-Botschafter Ischinger nennt einen Verhandlungspartner als härtesten seiner Karriere – und schildert den entscheidenden Moment.
Wolfgang Ischinger hat mit Milosevic verhandelt, mit Russen, Chinesen und Amerikanern. Doch eine Erfahrung übertrifft für den langjährigen Vorsitzenden der Münchner Sicherheitskonferenz alles andere: „Einen schwierigeren Verhandlungspartner als die Iraner habe ich in den ganzen Jahren nicht erlebt“, sagt er im Interview mit der Funke-Mediengruppe.
Konkret bezieht sich Ischinger auf einen Fall aus der Ära Schröder: Die Bundesregierung schickte ihn nach Teheran, um einen deutschen Geschäftsmann freizuhandeln, dem in iranischer Haft die Todesstrafe drohte. Die Gespräche zogen sich über Monate und hielten bis zur letzten Minute eine Überraschung bereit.
Als die Einigung bereits stand und Ischinger sich verabschiedet hatte, riefen die Iraner ihn zurück und forderten nachträglich Geld für die Unterbringung des Inhaftierten; „am liebsten in Cash“. Ischinger reagierte mit einem in eigenen Worten „wohlinszenierten Wutanfall“, verwies auf frühere Absprachen und verließ die Präsidialkanzlei. Am nächsten Morgen wurde der Mann freigelassen.
Für Ischinger war die Geldforderung kein Ausrutscher, sondern Methode: „Es ist Teil der iranischen Verhandlungsstrategie, den Verhandlungsgegner immer wieder zu überraschen und in die Defensive zu zwingen.“ Die Unterhändler aus Teheran seien akribisch vorbereitet, kennten das deutsche Rechtssystem in allen Details und spielten dabei nach eigenen Regeln: „Die Iraner sind mit allen Wassern gewaschen“, so Ischinger.
Mit Blick auf die aktuellen Atomgespräche warnt Ischinger: „Die Amerikaner haben das unterschätzt.“ Teheran habe derzeit „Oberwasser“, Trump müsse auf ein iranisches Positionspapier reagieren. Seinen Rat an jeden, der mit Iran verhandelt, fasst Ischinger in zwei Worten zusammen: „Warm anziehen.“
