Streit um ARD-Sendung
Dieter Nuhr droht österreichischer Zeitung mit Klage
01.07.2026 – 12:10 UhrLesedauer: 2 Min.
Dieter Nuhrs Stand-up zu Femiziden erregte viel Aufsehen und zahlreiche Medien kommentierten. Die Produktionsfirma des Komikers droht jetzt mit Konsequenzen.
In seiner ARD-Sendung „Nuhr im Ersten“ sprach Dieter Nuhr über Femizide in Deutschland. Er wandte sich gegen Pauschalurteile gegenüber Männern und schloss mit der Pointe: „Zur Sicherheit wäre es nicht schlecht, wenn man den Partner vor dem Geschlechtsverkehr einfach erst mal kennenlernt.“ Der österreichische „Standard“ kommentierte das am 22. Juni unter dem Titel „Bei Dieter Nuhr müssen selbst Femizide für eine Pointe herhalten“.
Daraufhin berichteten mehrere deutsche Medien über den Auftritt, darunter auch t-online mit einer eigenen Meinungskolumne: „Nuhr verscherzt sich“, hieß es dort. Dieter Nuhrs Produktionsfirma Nuhr TV GmbH wollte sich das offenbar nicht gefallen lassen: Sie forderte den „Standard“ auf, den Kommentar zu löschen, und drohte mit rechtlichen Schritten.
„In Satireformaten gilt künstlerische Freiheit“
In seinem Stand-up-Programm hatte Nuhr erklärt, dass in Deutschland jährlich 300 bis 350 Femizide passierten und jeder einzelne Fall einer zu viel sei. Da aber viele Millionen Männer in Deutschland lebten, liege die Wahrscheinlichkeit, in einer Beziehung auf einen Frauenmörder zu treffen, praktisch bei null.
- ARD-Anstalt äußert sich: Dieter Nuhr und ein Witz über ermordete Frauen
Kritiker werfen Nuhr vor, getötete Frauen für einen Witz zu benutzen und eine Täter-Opfer-Umkehr zu betreiben. Die zuständige ARD-Anstalt verteidigte Nuhr. Auf Anfrage von t-online sagte ein RBB-Sprecher: „Selbstverständlich sind wir uns unserer öffentlich-rechtlichen Aufgabe und Verantwortung bei der Gestaltung des Programms bewusst, in Satireformaten gilt es jedoch auch die künstlerische Freiheit zu achten.“
Die Nuhr TV GmbH, an der Dieter Nuhr als Gesellschafter beteiligt ist, sieht den Kommentar als „unzutreffende Darstellung“. Geschäftsführer Holger Harms schrieb dem „Standard“ per Mail, der Artikel sei „in Titel, Vorspann und Gesamttendenz unwahr, sinnentstellend und verletzt die Rechte unseres Gesellschafters sowie unseres Unternehmens in erheblichem Maße“. Die Firma forderte laut Angaben des „Standard“ die sofortige Löschung des Beitrags, denn er verletze Nuhrs Persönlichkeitsrechte und sei geschäftsschädigend.
Nuhrs Thema seien nicht die „Opfer von Femiziden, sondern die Sprache, mit der heute pauschale Vorurteile gesellschaftsfähig gemacht werden“, teilte die Produktionsfirma mit. Nuhr greife dabei eine „konkrete publizistische Denkfigur“ auf, die das Zusammenleben mit einem Partner zur „statistischen Bedrohung“ erkläre und „damit sämtliche Männer unter einen Generalverdacht“ stelle. Diese führe er mit dem „anerkannten Stilmittel der Übertreibung ad absurdum“.
