Städtetrip in Böhmen
Auf ein paar Pils in Pilsen
Aktualisiert am 29.10.2026 – 07:08 UhrLesedauer: 6 Min.
Pilsen ist die heimliche Bierhauptstadt. Wer das tschechische Nationalgetränk nicht nur trinken sondern dessen Ursprung erfahren möchte, kommt hierher.
Der Ort, wegen dem es die meisten Besucher nach Pilsen zieht, liegt praktischerweise vom Hauptbahnhof nur gut fünf Minuten Fußmarsch einen Hügel hinab entfernt. Und so ist zu vermuten, dass es viele handhaben wie die vor mir laufenden Männer mittleren Alters: Sie gehen auf direktem Weg vom Zug zur Brauerei.
Zu Besuch in der Hopfen-Hochburg
Kurz wird sich aber noch auf der Fußgängerbrücke vor der Brauerei zum Foto aufgestellt. Man spricht Deutsch: „Könnten Sie?“ Klar. Nach dem Gruppen-Schnappschuss marschiert die Gruppe schnurstracks weiter in die Hopfen-Hochburg.
Brauereien zum Besichtigen – und zur Bierverkostung – gibt es in vielen Städten und sie ziehen zuverlässig ihr Publikum an. Doch dass eine Brauerei die mit Abstand am meisten besuchte Sehenswürdigkeit einer Stadt ist, ist schon bemerkenswert. Pilsen ist Bier und Bier ist Pilsen, heißt es auch auf der Website der Stadt. Und wer würde dem widersprechen?
Auch wenn man beim Tourismusbüro nicht müde wird zu betonen, dass Pilsen und seine Umgebung viele schöne Ecken hätten, was zweifellos richtig ist. Dennoch kann man die steile These aufstellen: Gäbe es das Bier nicht, das seit 1842 einer ganz Brauart ihren Namen gibt, hätten viele die Stadt anderthalb Zugstunden westlich von Prag nicht auf dem Schirm.

Besuch in der Brauerei
Natürlich startet man also dort, wo es auch die deutsche Männer-Reisegruppe direkt hingezogen hat: bei der Brauerei von Pilsner Urquell. Die ist in jedem Fall einen Besuch wert, auch wenn man auf den Höhepunkt des Besuchs etwas warten muss.
Zunächst geht die Führung mit einem Abriss zur Entstehungsgeschichte des Pilsners und der Brauerei los, der Brauprozess wird erklärt, man kann geriebene Hopfenpellets probieren – und kriegt den Geschmack, der an bitteren Tee erinnert, danach ewig nicht aus dem Mund.
Es geht weiter ins alte historische und neue moderne Sudhaus, die sich bis auf die Deckenhöhe kaum unterscheiden: Hübsche kupferfarbene Kessel, in denen das Bier gebraut wird, stehen in beiden.
Pilsen: Leicht zu erreichen
Wer in Prag ist, sollte sich einen Abstecher in die viertgrößte Stadt Tschechiens nicht entgehen lassen. Zwischen der tschechischen Hauptstadt und der Stadt des Bieres liegen nur 90 Kilometer. Von Prag aus fahren stündlichen Regionalzüge. Die Fahrt dauert etwa eine Stunde und 20 Minuten.
Das Bier der Urväter in den Kellergewölben genießen
Das alles ist interessant und doch, wenn man schon andere Brauereien besucht hat, auch altbekannt. Aber das Highlight kommt hier eben zum Schluss. Neun Kilometer unterirdisches Gewölbe ziehen sich unter dem Brauereigebäude entlang. Es ist kühl und feucht, wer nicht aufpasst, droht auf den glitschigen Steinen auszurutschen.
Hier wurde das Bier einst in Holzfässern bei konstant niedrigen Temperaturen offen gegärt. Die riesigen Keller erinnern einen an Bergbaustollen. Die Wege sind breit und so hoch, dass einst Pferdekarren hier durchfahren konnten.