Studie offenbart
Bei diesen Medikamenten kommt es häufig zu Juckreiz
Aktualisiert am 18.05.2026 – 18:03 UhrLesedauer: 2 Min.
Bestimmte Medikamente können starken Juckreiz auslösen, oftmals erst Wochen nach Beginn der Therapie. Eine Studie zeigt, welche Wirkstoffe betroffen sind.
Juckreiz ohne sichtbaren Hautausschlag kann viele Ursachen haben, auch Medikamente zählen dazu. Oft geht er mit einem großen Leidensdruck einher und kann die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Eine große Auswertung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigt nun, welche Arzneimittel besonders häufig mit sogenanntem generalisiertem, nichtallergischem Pruritus in Verbindung stehen. Die Ergebnisse sind im Fachmagazin „Journal of the American Academy of Dermatology“ nachzulesen.
Antibiotika stehen an der Spitze
Für die Studie werteten die Forscher Daten der WHO-Datenbank VigiBase aus. Diese enthält mehr als 37 Millionen individuelle Fallberichte zu Arzneimittelnebenwirkungen aus über 130 Ländern. Insgesamt fanden sie fast 269.000 Fälle von Juckreiz, die nicht durch Allergien, Hautkrankheiten oder Nierenprobleme erklärt werden konnten.
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Besonders häufig betroffen waren bestimmte Antibiotika. Dazu zählen unter anderem die Wirkstoffe Amoxicillin, Ceftriaxon sowie die Kombination von Sulfamethoxazol und Trimethoprim. Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide wie Tramadol und Morphin, aber auch Paracetamol tauchten ebenfalls häufig in den Meldungen auf.
Auch Cholesterinsenker und Magensäureblocker betroffen
Neben bekannten Auslösern identifizierte die Analyse auch Arzneimittel aus Wirkstoffgruppen, die bislang weniger im Fokus standen. Dazu gehörten etwa:
- Cholesterinsenker wie Simvastatin oder Atorvastatin
- Magensäureblocker wie der Protonenpumpenhemmer Omeprazol oder der H2-Antagonist Ranitidin
- Medikamente gegen Tuberkulose wie Rifampicin, Pyrazinamid oder Isoniazid
- Krebsmedikamente wie Oxaliplatin, Carboplatin oder Rituximab
Auffällig dabei war, dass der Juckreiz in mehreren Tausend Fällen erneut auftrat, nachdem Betroffene das Medikament nach einer Pause wieder eingenommen hatten. Das macht einen ursächlichen Zusammenhang wahrscheinlich.
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Impfstoffe und Kontrastmittel ebenfalls genannt
Auch Impfstoffe – insbesondere gegen Covid-19 und Grippe – sowie jodhaltige Kontrastmittel wurden mit Juckreiz in Verbindung gebracht. Laut den Studienautoren kann das Symptom selbst dann auftreten, wenn keine klassische allergische Reaktion vorliegt.
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Warum Medikamente Juckreiz auslösen können
Wie genau medikamentenbedingter Juckreiz entsteht, ist bislang nicht vollständig geklärt. Die Forscher vermuten, dass unter anderem sogenannte stumme Überempfindlichkeitsreaktionen, Nervenschäden durch eine periphere Neuropathie oder Störungen des Gallenflusses (Cholestase) als Mechanismen dahinterstecken könnten.
Wichtig: Wer unter anhaltendem Juckreiz leidet und vermutet, dass Medikamente diesen verursachen, sollte das Mittel keinesfalls eigenständig absetzen, sondern Rücksprache mit dem Arzt halten. So lässt sich klären, ob das Arzneimittel wirklich als Auslöser infrage kommt und welche Alternativen gegebenenfalls möglich sind.
