Enorme Infektionsraten
Das sind die ansteckendsten Krankheiten der Welt
26.08.2025 – 13:02 UhrLesedauer: 3 Min.
Spätestens seit der Corona-Pandemie ist klar: Je schneller sich eine Infektionskrankheit ausbreitet, desto bedrohlicher ist sie für die Allgemeinheit. Welche birgt das größte Risiko?
Wenn sich eine neue Infektionskrankheit ausbreitet, sprechen Fachleute oft vom sogenannten R0-Wert. Er gibt an, wie viele Menschen ein Infizierter im Schnitt ansteckt, wenn niemand immun ist und keine Schutzmaßnahmen getroffen werden. Liegt dieser Wert über eins, breitet sich eine Krankheit aus. Liegt er unter eins, klingt sie ab.
Der R0-Wert wird auch Basisreproduktionszahl genannt. Der Wert hängt von Eigenschaften des Erregers, Ansteckungsdauer und sozialen Kontakten ab. Beispiel: Ein R0 von 3 bedeutet, dass jeder Erkrankte im Schnitt drei weitere Menschen infiziert. Der R0 hilft dabei, einzuschätzen, wie schnell eine Epidemie wächst und wie viele Menschen immun werden müssen, um die Ausbreitung zu stoppen (Herdenimmunität).
- Warum der R-Wert unter Corona so wichtig ist.
Manche Infektionen sind deutlich ansteckender als andere – und das längst nicht nur in Entwicklungsländern. Im Fachmagazin „Sciencealert“ erklärt der britische Physiologe und Neurowissenschaftler Dan Baumgardt die ansteckendsten Infektionen.
Die hochansteckende Virusinfektion hat einen R0-Wert von 12 bis 18. Das heißt: Eine Person kann bis zu 18 weitere anstecken. Innerhalb kurzer Zeit kann sich das Virus deshalb explosionsartig verbreiten. Gibt jeder Infizierte das Virus mit derselben Rate weiter, können schnell Hunderte und Aberhunderte Menschen betroffen sein.
Masern werden über die Luft übertragen, beispielsweise beim Husten, Niesen oder allein durch den Aufenthalt in einem Raum. Das Virus bleibt bis zu zwei Stunden infektiös, auch nachdem die infizierte Person den Raum verlassen hat. Direkter Kontakt ist nicht nötig.
Obwohl es eine wirksame Impfung gibt, nehmen Masernfälle weltweit wieder zu. Der Grund: sinkende Impfraten bei Kindern, bedingt durch Impfskepsis, Desinformation oder Störungen durch die Corona-Pandemie. Gerade bei Krankheiten mit hohem R0-Wert wie Masern ist eine besonders hohe Impfquote nötig – mindestens 95 Prozent, so die Empfehlung der WHO. Andernfalls kann sich das Virus rasch wieder ausbreiten.
Andere Krankheiten mit hohen R0-Werten sind Keuchhusten (12 bis 17), Windpocken (10 bis 12) und COVID-19 (8 bis 12, je nach Variante). Sie alle verbreiten sich meist über Tröpfchen in der Luft. Besonders problematisch: Erkrankte können schon ansteckend sein, bevor sie Symptome entwickeln, und geben das Virus so unbemerkt weiter.
Zwar verlaufen viele dieser Infektionen mild, doch Komplikationen sind möglich. Dazu gehören Lungenentzündung, Krampfanfälle, Meningitis, im schlimmsten Fall auch Todesfälle, besonders bei ungeimpften Kindern oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem.
Nicht jede Krankheit mit niedrigem R0-Wert ist harmlos, erklärt Baumgardt. So liegt der Wert bei Tuberkulose (TB) zwischen unter 1 und etwa 4, je nachdem, wie eng Menschen zusammenleben und wie gut das Gesundheitssystem ist. In Gemeinschaftseinrichtungen wie Gefängnissen oder Notunterkünften kann sich TB trotzdem schnell verbreiten. Das Problem: TB ist schwer zu behandeln, da Standardantibiotika oft nicht wirken. Eine Therapie dauert mindestens sechs Monate, bei resistenten Erregern deutlich länger.
Der R0-Wert von Ebola, einem der gefährlichsten Erreger der Wert, liegt „nur“ zwischen 1,5 und 2,5, aber die Sterberate ist enorm hoch. Sie liegt zwischen 30 und 90 Prozent. Noch niedriger sind die Werte bei MERS-CoV, Vogelgrippe oder Lepra – oft unter eins. Ihre Ausbreitung bleibt meist lokal begrenzt, dennoch können sie schwere Erkrankungen verursachen.
