„Wirken harmlos“
TÜV warnt vor Sommerrodelbahnen
26.05.2026 – 13:12 UhrLesedauer: 3 Min.
Sommerrodelbahnen versprechen Tempo, Nervenkitzel und Familienspaß. Doch immer wieder kommt es dort zu teils schweren Unfällen.
Ob Alpine Coaster, Mountain Coaster oder Bocksbergbob: Sommerrodelbahnen gehören in vielen Urlaubsregionen zu den beliebtesten Attraktionen für die ganze Familie. Die Fahrten wirken auf viele Menschen harmlos, schließlich sitzen die Fahrgäste in kleinen Schlitten auf einer festen Strecke. Genau das führt jedoch oft dazu, dass Risiken unterschätzt werden.
Der TÜV-Verband weist in einer aktuellen Mitteilung darauf hin, dass die meisten Unfälle nicht durch technische Defekte entstehen. Viel häufiger verursachen Fahrgäste selbst gefährliche Situationen. „Fahrten in einer Sommerrodelbahn wirken harmlos, sind aber durchaus anspruchsvoll“, sagt André Siegl, Experte für Anlagensicherheit beim TÜV-Verband. Besonders Auffahrunfälle stellen demnach ein großes Problem dar.
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Vor allem falsches Bremsen, eine zu hohe Geschwindigkeit oder ein zu geringer Abstand zwischen den Schlitten führen regelmäßig zu Kollisionen, heißt es von den Überprüfungsexperten. Auch Regen oder Nässe erhöhen das Unfallrisiko laut TÜV deutlich. Die Bahnen reagieren dann schlechter auf Bremsmanöver, außerdem verändern sich die Fahreigenschaften der Schlitten. Betreiber müssen ihre Anlagen deshalb bei ungünstigem Wetter teilweise schließen.
Welche Arten von Sommerrodelbahnen gibt es?
Experten unterscheiden grundsätzlich zwischen zwei Arten von Sommerrodelbahnen: Rinnen- oder Wannenrodelbahnen sowie Schienenrodelbahnen.
Bei Rinnen- oder Wannenbahnen fahren die Schlitten frei in einer offenen oder halb offenen Spur. Meist besteht diese aus Edelstahl. Die Schlitten werden nicht fest geführt. Dadurch entsteht ein besonders intensives Fahrgefühl. Gleichzeitig steigt aber das Risiko, die Kontrolle zu verlieren.
„Bei zu hoher Geschwindigkeit besteht die Gefahr, dass die Schlitten ins Schlingern geraten oder in Kurven sogar aus der Bahn fliegen“, erklärt TÜV-Mann Siegl. Gebremst wird vorwiegend mit einem Handhebel. Wer abrupt abbremst oder mitten in einer Kurve stark zieht, kann den Schlitten destabilisieren. Bleibt ein Fahrer plötzlich stehen, drohen zudem Auffahrunfälle.
Schienenrodelbahnen funktionieren anders. Dort laufen die Schlitten fest auf einem Schienensystem. Ein Herausschleudern oder Umkippen gilt deshalb als nahezu ausgeschlossen – vorausgesetzt, die Fahrgäste nutzen die Sicherheitsgurte korrekt. Die Bahnen erreichen allerdings hohe Geschwindigkeiten von bis zu 40 Kilometern pro Stunde.
Auch hier entstehen laut TÜV gefährliche Situationen, größtenteils durch Fehlverhalten. Wenn Fahrgäste plötzlich bremsen oder den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand nicht einhalten, kann es ebenfalls zu Kollisionen kommen. Moderne Anlagen verfügen deshalb häufig über automatische Bremssysteme oder elektronische Überwachungen.
So erkennen Fahrgäste sichere Anlagen
In Deutschland gelten für Sommerrodelbahnen strenge Sicherheitsvorgaben. Grundlage dafür ist die internationale Norm DIN ISO 19202. Sie regelt Planung, Bau, Betrieb und Prüfung der Anlagen.
