Selbst in Bezirken, in denen die Linke bislang kaum eine Rolle spielte, legte sie deutlich zu. In Spandau und Reinickendorf hat sie ihr Ergebnis mehr als verdreifacht. Erstmals gewann die Partei Direktmandate in Spandau und Charlottenburg-Wilmersdorf: Thomas Wulfes setzte sich in Spandau 3 durch, Niklas Schenker in Charlottenburg-Wilmersdorf 1. Auch Reinickendorf 1 ging an die Linke, dort stieg ihr Anteil von 8,2 auf 28,3 Prozent.
Insgesamt gewann die Linke 28 der 78 Direktmandate, die CDU 27. Bei den Zweitstimmen wurde sie in 37 Wahlkreisen stärkste Kraft.
Am östlichen Stadtrand wächst die Linke kaum
Im Osten der Stadt liegt die Linke mit 27,8 Prozent zwar weiterhin vor dem Westen mit 24,1 Prozent. Der Abstand hat sich aber mehr als halbiert: 2023 lag er noch bei knapp acht Prozentpunkten. In den Wahllokalen ist er fast verschwunden – dort kam die Linke im Osten auf 27,2 und im Westen auf 26,1 Prozent. Der Unterschied entsteht vor allem durch die Briefwähler.
Besonders wenig bewegte sich in Marzahn-Hellersdorf, wo die Vorgängerpartei PDS einst dominierte. Die Linke legte dort nur um 5,8 Punkte auf 20,2 Prozent zu – der geringste Zuwachs aller Bezirke. Stärkste Kraft ist dort die AfD mit 34,5 Prozent. Auch in Lichtenberg und Treptow-Köpenick wuchs die Linke weniger stark als im Berliner Durchschnitt.
Jede zweite junge Frau wählt links
Der Wandel zeigt sich auch beim Alter der Wähler. Laut der Nachwahlbefragung von Infratest dimap für die ARD stimmten 43 Prozent der unter 25-Jährigen für die Linke, bei den 25- bis 34-Jährigen waren es 49 Prozent. Bei den jungen Frauen unter 25 kam die Partei auf 51 Prozent, bei den jungen Männern auf 34 Prozent.
Auch bei den Erstwählern liegt die Linke mit 39 Prozent klar vorn, die Grünen folgen mit 14 Prozent. Die CDU erreichte bei den unter 25-Jährigen acht Prozent, bei den über 60-Jährigen dagegen 29 Prozent.
Prominente mit gemischter Bilanz
Im Wahlkreis Pankow 8 trat Gloria Viagra für die Linke an. Die Dragqueen holte 26,7 Prozent der Erststimmen. Bei der Wahl 2023 hatte die Linke dort 18,2 Prozent erreicht. Das Direktmandat gewann dennoch die Grünen-Politikerin Daniela Billig mit 34,3 Prozent.