Ein Wald stirbt nicht einfach plötzlich. Es ist ein Prozess, der viele Jahre dauert und sich in Temperaturdaten, Luftfeuchtigkeitswerten und Satellitenbildern widerspiegelt. Den Punkt zu identifizieren, an dem ein Ökosystem zusammenbricht, ist ein komplexer Prozess. KI-Systeme können hier helfen. Wie genau KI dabei helfen kann, erforscht ein Forscherteam am Max-Planck-Institut für Biochemie in Jena (MPI-BGC).
Das MPI-BGC ist assoziiertes Mitglied des European Lighthouse of AI for Sustainability (ELIAS), einem EU-finanzierten Forschungsnetzwerk mit Partnern in 17 Ländern und Hubs in acht europäischen Städten, darunter Tübingen, München und Potsdam.
Das Hauptziel des Netzwerks besteht darin, Technologie mit sozialer Verantwortung zu verbinden. „Künstliche Intelligenz kann eine Schlüsselrolle bei der Bewältigung dringender Herausforderungen wie dem Klimawandel und der Energiekrise spielen“, sagt Matthias Bethge, Gründungsdirektor des Tübingen AI Center und Leiter der ELIAS Alliance. „Damit dies gelingt, braucht die öffentliche Forschung und Lehre in Europa einen klareren Auftrag zur Entwicklung alltagstauglicher KI-Systeme, von denen die breite Bevölkerung profitiert.“
Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft
Das von der EU geförderte Projekt konzentriert sich zunächst auf die Grundlagenforschung und geht dabei auf drei zentrale Fragen ein: Wie können Rechenkosten gesenkt werden? Wie lassen sich die gesellschaftlichen Auswirkungen politischer Entscheidungen modellieren? Wie wirkt sich KI auf den Alltag des Einzelnen aus? Ein Teil der Fördermittel soll auch für den Aufbau der ELIAS-Allianz als Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft verwendet werden. Ein Beispiel hierfür ist das AI Launchpad, ein Förderprogramm für KI-Start-ups, das Forscher und Unternehmer aus ganz Europa zusammenbringt.
„Wir wollen keine KI, die Forscher ersetzt“
Jeder Hub legt seine eigenen Schwerpunktbereiche fest. Mehr als 300 Wissenschaftler in 30 Gruppen forschen im Tübingen AI Center. Ein aktuelles Projekt widmet sich der Erforschung, wie KI den wissenschaftlichen Prozess unterstützen kann. „Wir wollen keine KI, die Forscher ersetzt, sondern eine, die ihre Fähigkeiten erweitert“, sagt der KI-Forscher Andreas Geiger. In München analysiert das europaweite ELLIS-Netzwerk, auf dem die ELIAS-Allianz basiert, mithilfe von KI Röntgenbilder, um Krankheiten frühzeitig zu erkennen. Am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam unterstützt die Allianz Start-ups und ihre Projekte, etwa ein System, das es Unternehmen ermöglicht, ihren Kohlendioxidausstoß zu messen.
