Eine neue Umfrage im Auftrag der belgischen Rundfunkanstalten VRT und RTBF sowie der Zeitung De Standaard legt nahe, dass das Vertrauen der belgischen Öffentlichkeit in die Vereinigten Staaten stark gesunken ist. Die Umfrage ergab, dass etwa die Hälfte der Befragten die USA inzwischen als Gegner betrachten, während nur 10 % sie immer noch als Verbündeten betrachten.

Die Ergebnisse stammen von De Stemming, einer jährlichen Umfrage, die von Forschern der Universität Antwerpen und der Université Libre de Bruxelles durchgeführt wird. Die im März durchgeführte Studie untersuchte die Ansichten der Belgier zur internationalen Sicherheit und zu globalen Mächten.

Nach Ansicht der Forscher waren die Ergebnisse besonders bemerkenswert, da die internationale Sicherheit zum ersten Mal in der Umfrage so prominent vertreten war. Die Umfrage wurde kurz nach den Angriffen der USA und Israels auf den Iran durchgeführt. Damals erregten Sorgen über mögliche Störungen der weltweiten Energieversorgung und steigende Preise großes Medieninteresse. Forscher sagten, diese Entwicklungen könnten die öffentliche Meinung beeinflusst haben.

Die Rolle Chinas

Die Umfrage ergab auch, dass China weniger negativ beurteilt wird als die USA. Zwischen 40 % und 44 % der Befragten bezeichneten China als Gegner. Allerdings betrachten nur sehr wenige Belgier China als Verbündeten, viele Befragte wählten die Option „weder Verbündeter noch Gegner“.

Dennoch bleiben Bedenken hinsichtlich Peking bestehen. Fast 60 % der Befragten gaben an, dass ein chinesischer Militärangriff auf Taiwan in naher Zukunft wahrscheinlich sei, was die anhaltende Besorgnis über den wachsenden militärischen Einfluss Chinas widerspiegelt.

Die Umfrage legt auch nahe, dass sich die Belgier in ihrem eigenen Land im Allgemeinen sicher fühlen. Nur eine kleine Minderheit glaubt, dass Belgien selbst einem direkten militärischen Angriff ausgesetzt sein könnte. 12 % der Befragten in Flandern und 21 % in Wallonien äußerten diese Besorgnis.

Gleichzeitig befürworteten die Befragten eine größere europäische Unabhängigkeit sowohl in der Verteidigungs- als auch in der Wirtschaftspolitik. Mehr als 80 % meinten, Europa solle militärisch unabhängig werden, während eine Mehrheit stärkere europäische Reaktionen auf US-Handelsmaßnahmen und -Zölle befürwortete.

Die Umfrage ergab auch starke Unterstützung für die Begrenzung des ausländischen Einflusses auf belgische Angelegenheiten. Fast 90 % der Befragten sagten, Belgien sollte nicht zulassen, dass sich die USA in seine inneren Angelegenheiten einmischen, was die jüngste Kontroverse um die Äußerungen des US-Botschafters in Belgien widerspiegelt.

Trotz wachsender Skepsis gegenüber Washington unterstützen die Belgier weiterhin weitgehend westliche Institutionen. Rund 80 % meinten, Belgien solle unter allen Umständen Mitglied der NATO bleiben. Viele Befragte betrachten das Bündnis eher als kollektiven europäischen Sicherheitsschild denn als Instrument amerikanischer Einflussnahme.

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