Krise bei den deutschen Autoherstellern
Jetzt gerät noch mehr ins Wackeln
21.10.2026 – 16:04 UhrLesedauer: 3 Min.
Die deutschen Autohersteller müssen sparen – bisher ging es dabei vor allem um Jobs, Werke und Margen. Doch der Fall Audi zeigt, dass es sich auch um andere Dinge dreht.
Wenn ein Autobauer spart, wird zunächst über Beschäftigte gesprochen, über Freiwilligenprogramme, über Werke, Zulieferer, Renditen. Dort sind die Folgen besonders hart und unmittelbar. Doch große Unternehmen haben oftmals noch eine viel größere Ausstrahlung: Sie prägen ihre Regionen nicht nur als Arbeitgeber. Sie finanzieren, organisieren oder ermöglichen auch Veranstaltungen, Kulturangebote, Sportereignisse und Nachwuchsprojekte. In Krisenzeiten drohen diese Angebote dem Rotstift zum Opfer zu fallen.
So wird es künftig bei Audi geschehen: Die Bayern streichen zahlreiche Kultur- und Sportsponsorings. In Ingolstadt, Neckarsulm und Heilbronn sind unter anderem Konzertreihen, Weihnachtskonzerte, die Unterstützung der Jugendchorakademie und mehrere Sportveranstaltungen betroffen. Die Audi Sommerkonzerte sollen 2027 ausgesetzt werden, „Jazz am Audi Forum“ soll enden.
Die Lage bei den deutschen Autobauern ist düster: Volkswagen hat seine Renditeprognose für 2026 deutlich gesenkt. Audi hat seine eigene Prognose gekappt und einen Umbau vereinbart, der mittelfristig mehr als 1 Milliarde Euro im Jahr einsparen soll. BMW kämpft mit niedrigen Margen im Autogeschäft, hat sein Jahresziel gesenkt und treibt ein großes Freiwilligenprogramm voran. Auch Mercedes-Benz oder Porsche stehen unter Anpassungs- und Kostendruck.
Kürzungen haben Konsequenzen
Wer in solchen Zeiten seine Ausgaben prüft, landet schnell beim Sponsoring und bei selbst organisierten Veranstaltungen. Kein Unternehmen ist verpflichtet, Konzerte, Festivals, Chöre oder Sportveranstaltungen zu finanzieren. Aus Sicht eines Vorstands ist es also nachvollziehbar, solche Budgets infrage zu stellen. Doch wird gekürzt, hat das Folgen. Die Gelder können vor Ort längst eingeplant sein. Ein kostenloses Konzert, eine Jugendakademie, eine Laufveranstaltung oder eine Festivalreihe benötigen Geld, Organisation, Räume, Technik, Personal, Planungssicherheit. Manchmal ist ein Unternehmen nur einer von mehreren Geldgebern. Manchmal ist es aber auch Veranstalter oder zentraler Träger.
Natürlich hängt die Kultur in Deutschland nicht am Tropf der Autoindustrie. Öffentlich finanzierte Theater und Orchester stehen vor allem auf öffentlichen Zuschüssen. Doch einzelne Festivals, freie Projekte, kostenlose Formate und regionale Angebote leben von einem Finanzierungsmix. Dazu gehören öffentliche Projektmittel, Stiftungen, Spenden, Eintrittserlöse und Unternehmenssponsoring. Fällt ein Baustein weg, muss nicht gleich ein ganzes Angebot wegfallen. Doch es kann kleiner werden, seltener stattfinden, teurer werden. Und das wiederum hat Folgen in der Gesellschaft.

Beispiel Audi: Die Sommerkonzerte erreichten laut Audi 2025 rund 22.000 Besucher bei 14 Konzerten. Wenn diese Reihe 2027 pausiert, fehlen weitere Anlässe, bei denen Menschen zusammenkommen. Bei „Jazz am Audi Forum“ ist es ähnlich. Solche Formate mögen in einer Konzernbilanz ein kleiner Faktor sein. In einer Stadt sind sie es nicht.
Und nicht nur Audi wirkt kulturell oder sportlich weit in Regionen hinein. BMW unterstützt etwa „Staatsoper für alle“ in Berlin und engagiert sich in München langfristig beim Theaterfestival „Spielart“. Porsche ist seit Jahren Partner des Stuttgarter Balletts und unterstützt mit „Ballett im Park“ ein kostenloses Format. Volkswagen engagiert sich in Dresden bei Kulturprojekten rund um Semperoper, Staatskapelle und Gläserne Manufaktur und fördert etliche Projekte in der Heimatstadt Wolfsburg, Mercedes-Benz fördert in Stuttgart unter anderem Kulturformate und Initiativen.