AfD Mecklenburg-Vorpommern
Die Angst vor dem zweiten Platz
19.09.2026 – 23:44 UhrLesedauer: 7 Min.

Die AfD hatte bei der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern fest mit Platz 1 gerechnet. Doch ihr könnte ein Dämpfer drohen. Für ihren Ministerpräsidenten-Kandidaten könnte das Folgen haben.
Leif-Erik Holm steht am Donnerstagabend in einem Bürgersaal in Waren an der Müritz. Die Veranstaltung wurde als „Wahlkampffinale“ beworben. Holm tritt hier mit einem in Parteikreisen prominenten Gast auf: René Springer, Brandenburger AfD-Chef. Doch vor Springer und Holm sitzen nur rund 50 Besucher, mehr als ein Drittel der Plätze bleibt leer.
Und manch einer wäre offensichtlich lieber woanders gewesen. Eine Frau in rotem Oberteil und langem Pferdeschwanz sagt am Ende der Veranstaltung, sie habe sich eigentlich heute Abend für ein Abendessen mit Manuela Schwesig interessiert. Nur im Kreise von Frauen habe das stattfinden sollen.
„Und bist du reingekommen?“, fragt der Ministerpräsidentenkandidat der AfD in Mecklenburg-Vorpommern. „Leider nein“, sagt die Frau. Holm lacht. Doch der Eindruck ist ungünstig.
Denn es ist ein Gefühl, das sich durch Holms Wahlkampf zieht. Von Anfang an und erst recht an seinem Ende: dass Holm nur die zweite Wahl ist.
In seinem Landesverband lauert seit Langem Konkurrenz für ihn. Nun wird er zudem zwangsweise mit Ulrich Siegmund verglichen, dessen Team in Sachsen-Anhalt den bisher erfolgreichsten Wahlkampf der AfD abgeliefert hat. Und schlimmer noch: Schwesigs SPD schickt sich auf den letzten Metern an, der AfD in Mecklenburg-Vorpommern den Rang als stärkste Kraft abzulaufen.
Irgendwer sei eben immer „schneller, schöner, besser“, sagt einer von Holms treuen Wahlhelfern schulterzuckend. Doch bei diesem Wahlkampf könnte das Konsequenzen haben – für Holm, der seit 13 Jahren fast ohne Unterbrechung den AfD-Landesverband im Norden anführt. Und für die gesamte AfD.
Die Erwartungen in der AfD waren groß
Holms Wahlkampf lief zum großen Teil unter dem Radar der Öffentlichkeit ab. Im Windschatten von Sachsen-Anhalt, wo die Zustimmungswerte für die AfD von Anfang an noch ein Stück besser und die erste AfD-Alleinregierung realistischer war. Doch die Erwartungen an die AfD Mecklenburg-Vorpommern waren parteiintern ähnlich hoch.
Denn schon seit einem Jahr liegt der Landesverband eigentlich auf Platz 1 der Umfragen und überspringt die 30-Prozent-Marke seither weit. Bis auf 38 Prozent hinauf kletterte der Zustimmungswert zeitweise. Und das schon ganz ohne Wahlkampf.
Tino Chrupalla sagte t-online im Dezember, er halte Mecklenburg-Vorpommern fast für „einen Tick interessanter“ für die AfD. „Von hinten durch die Brust ins Auge“, so drückte der AfD-Bundeschef es aus.
Damit formulierte Chrupalla eine Hoffnung, die in der Rechtsaußen-Partei viele hatten: Die Sachsen-Anhalter sollten aufsehenerregend vorlegen. Und die AfD in Mecklenburg-Vorpommern diesen Aufwind zwei Wochen später nutzen und gleichziehen. Oder das Ergebnis sogar noch übertreffen.
