Mit dem Sieg gegen Ungarn lebt der Traum vom Halbfinale bei der Heim-EM für das DHB-Team weiter. Dabei überzeugten sie mit unerwartet viel Selbstvertrauen.
Aus Köln berichtet Nils Kögler
„Wir wissen, was wir können“: Es war ein Satz, den DHB-Torwart David Späth nach dem gewonnenen dritten Hauptrundenspiel gegen Ungarn bei der Heim-EM gleich mehrmals in der Interviewzone wiederholte. Es ist ein Satz, der den Auftritt der deutschen Mannschaft nur zu gut beschreibt.
Nach dem enttäuschenden Remis gegen Österreich schaffte das deutsche Team gegen Ungarn einen deutlichen 35:28-Sieg. Durch die vorangegangene Niederlage Österreichs gegen Frankreich hat die Mannschaft ihr Schicksal nun wieder selbst in der Hand. Der Traum vom Halbfinale lebt. Ein Sieg gegen Kroatien reicht, um ihn zu erfüllen. Der Schlüssel dafür war ein Auftritt voller Selbstvertrauen.
Anfangsphase sorgt für Sorgenfalten
Doch trotz des am Ende deutlichen Sieges lieferte die deutsche Mannschaft keine Weltklasseleistung über die vollen 60 Minuten ab. Im Gegenteil: Zu Beginn der Partie dürften die Anhänger der DHB-Auswahl ein mulmiges Gefühl gehabt haben. Offensiv schien das Team von Bundestrainer Alfred Gíslason zunächst an die alten Probleme aus den Spielen gegen Island und Österreich anzuschließen. Mehrere gute Chancen ließ die Mannschaft in den ersten Minuten etwa durch Rune Dahmke oder Johannes Golla aus.
Hinzu kam, dass auch die Defensive nicht mehr so sattelfest wirkte wie in den Spielen zuvor. Speziell auf die wuchtigen Würfe der Ungarn aus dem Rückraum bekamen die Deutschen zunächst keinen Zugriff. Entscheidend war zudem, dass sogar der bislang so überragende Andreas Wolff im deutschen Tor, der die Mannschaft zuletzt immer wieder im Spiel gehalten hatte, gegen Ungarn keinen guten Start erwischte. Die ganze erste Halbzeit konnte er nicht eine einzige Parade verzeichnen.
Späth: „Wir werden uns ein bisschen ärgern“
Auch der junge David Späth, der Wolff Mitte bis Ende der ersten Halbzeit ersetzte, konnte nur einen Ball parieren. „Wir waren häufig an den Bällen dran, aber sie sind trotzdem reingegangen“, analysierte er nach dem Spiel. „Deswegen war es einfach unglücklich für uns“, so Späth weiter. „Solche Spiele gibt es. Natürlich ärgern die einen, aber im Vordergrund steht, dass wir gewonnen haben“, schloss der Keeper ganz pragmatisch. „Wir werden uns ein bisschen ärgern und ab morgen geht es dann weiter.“
Eine wackelige Offensive, eine Defensive mit Problemen und Torhüter, die ausnahmsweise die Mannschaft nicht retten können: So kam es, dass das DHB-Team den größten Teil der ersten Halbzeit einem Ein-Tor-Rückstand hinterherlaufen musste.
„Die Jungs haben weitergeballert“
Doch trotz der anfänglichen Schwierigkeiten verlor die Mannschaft nicht den Mut, lief weiter selbstbewusst an. „Wir wissen, was wir können“, lautete Späths Lieblingssatz an diesem Abend. „Gegen Österreich haben wir uns auch gute Chancen herausgespielt, nur leider sind wir dann an unserer Effektivität gescheitert. Deswegen waren wir immer sehr optimistisch. Wir waren voller Zuversicht.“
Christoph Steinert schlug in eine ähnliche Kerbe. „Das Selbstbewusstsein war der größte Unterschied“, analysierte er die Verbesserung im Vergleich zum Österreich-Spiel. „Egal, ob mal ein Fehler passiert ist oder mal ein Schlagwurf danebenging, die Jungs haben weitergeballert. Das war richtig schön mitanzusehen.“
Heymann überzeugt
Einer, der in der ersten Hälfte besonders „ballerte“, war Sebastian Heymann. Im Gegensatz zu den vorherigen Spielen bekam er gegen Ungarn vermehrt Einsatzzeiten in der Offensive und zahlte dies mit vier Toren aus vier Würfen in Hälfte eins zurück. „Heute hat jeder, der in die Wurfsituation gekommen ist, sie mit voller Überzeugung genommen, war überzeugt davon, den Ball ins Netz zu schmeißen, wenn es sein muss, auch den Torwart mit ins Tor zu werfen“, lobte er das Selbstvertrauen der deutschen Mannschaft.
