„Sehr toxisch“
Weltmeister Kramer spricht offen über Problem
Aktualisiert am 03.10.2026 – 16:35 UhrLesedauer: 2 Min.
Auch nach dem Ende seiner aktiven Fußballkarriere steht Christoph Kramer noch im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Das soll aber nicht für immer so bleiben.
Fußball-Weltmeister Christoph Kramer sieht in der Aufmerksamkeit, die mit einem Leben in der Öffentlichkeit einhergeht, ein Problem und möchte sich in Zukunft davon freimachen. Bei einem Auftritt in der Talkshow „3nach9“ sprach der 35-Jährige offen über die Probleme mit dem Rampenlicht.
„Ich habe über mein ganzes Leben festgestellt – und ich bin noch nicht so furchtbar alt – dass diese süße Frucht der Öffentlichkeit, der Bewertung von Außen und des Applaus von Außen, die auch wirklich Spaß macht und die ich überhaupt nicht verurteilen möchte, sehr toxisch ist und trotzdem leider wirklich süchtig macht“, sagte Kramer im Gespräch mit Moderator Giovanni di Lorenzo.
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„Ich habe viele Menschen beobachtet und dachte: Die haben den Absprung geschafft in ein friedlicheres Sein und dann sind sie alle zurückgekommen“, so Kramer weiter und nannte etwa die bekannten TV-Persönlichkeiten Thomas Gottschalk und Stefan Raab als Beispiele. „Es gibt dafür keine Erklärung, weil sie brauchen kein Geld mehr. Es ist einfach diese Bestätigung von Außen, die irgendwie süchtig macht“, stellte der Ex-Fußballer fest.
Er selbst möchte den Absprung irgendwann schaffen. Er habe sich vorgenommen irgendwann mit der Öffentlichkeit nichts mehr zu tun haben zu wollen. „Ich habe sie genossen, ich liebe sie und ich finde das auch alles in Ordnung, aber ich möchte irgendwann einen so richtig glücklichen, ruhigen Frieden mit allem schließen und nicht mehr das Gefühl haben, ich brauche Applaus“, so Kramer.
„Bestätigung muss man auch abtrainieren“
Er weiß aber, dass das eine durchaus große Aufgabe ist, „weil ich mein ganzes Leben lang, seitdem ich klein bin, von Außen bestätigt wurde. Nach jedem Wochenende schlage ich eine Zeitung auf und lese, wie ich gespielt habe und welche Note das war“, sagte er. „Deshalb geht das nicht von jetzt auf gleich“. Man müsse sich aktiv mit dem Thema beschäftigen: „Wir trainieren als Sportler unser Herz ab, aber die Bestätigung, glaube ich, muss man auch abtrainieren.“
Vorerst bleibt Kramer jedoch in der Öffentlichkeit. Neben seiner Tätigkeit als TV-Experte für das ZDF, begann er schon während seiner aktiven Karriere, sich als Buchautor zu versuchen. Sein erster Roman „Das Leben fing im Sommer an“ schaffte es gleich in die Spiegel-Bestsellerliste. Nun bringt er sein zweites Buch mit dem Titel „Wolkenberührpunkt“ heraus.
Während seiner aktiven Karriere stieß seine schreiberische Tätigkeit bei den Teamkollegen jedoch auf wenig Begeisterung. „Es wurde leider gar nicht beäugt. Nicht mal misstrauisch, sondern einfach links liegen lassen“, erinnerte sich Kramer. „Ich war natürlich voll stolz und habe dann immer am Frühstückstisch angefangen: Ja Leute, wieder nicht so viel geschlafen, ganze Nacht wieder geschrieben“, so Kramer über seine Versuche Komplimente von den Mitspielern zu bekommen. „Ich dachte, dass vielleicht mal jemand auf die Idee kommt und mal fragt, wie ist das so. Aber es hat einfach keinen gejuckt.“
