Hoffnung für den DFB-Sturm
Er jagt den Rekord – und wird angefeindet
06.10.2026 – 14:57 UhrLesedauer: 4 Min.

Die DFB-Elf sucht noch nach einem treffsicheren Stürmer. Der perfekte Kandidat lauert im Nachwuchs, zögert aber. Einige Fans haben eine deutliche Meinung.
„Wir haben am Ende einfach das scheiß Tor nicht gemacht“: Ersatzkapitän Florian Wirtz brachte das Problem, das die deutsche Fußball-Nationalmannschaft beim 0:0 gegen Griechenland geplagt hatte, mit deutlichen Worten auf den Punkt. Im letzten der vier Nations-League-Spiele hatte die DFB-Elf um Neu-Bundestrainer Jürgen Klopp eine starke Leistung gezeigt, aufgrund mangelnder Effektivität aber keinen Sieg aus Thessaloniki mitnehmen können.
Er habe „ein unglaubliches Fußballspiel“ gesehen, sagte Klopp anschließend trotzdem begeistert und attestierte seiner Mannschaft: „In allen Bereichen top, richtig top.“ Mit Blick auf die Torausbeute dürfte das aber nicht gelten. Gerade mal drei Treffer in vier Spielen sprangen für die Klopp-Auswahl heraus, ein Tor von einem der zahlreichen eingesetzten Stürmer gab es überhaupt nicht.
- Stefan Effenberg über Bundestrainer: Das werden Klopps Spieler nicht verstehen
- Nations League: Selbst mit zwei Siegen droht Deutschland das Aus
Alle Augen richten sich deshalb Richtung U21. Dort markierte Nicolò Tresoldi auf dem Weg zur EM-Qualifikation gegen Malta gleich drei Treffer. Mit nun 16 Toren steht er kurz davor, Pierre Littbarski als Rekordtorschützen (18) der Nachwuchsauswahl abzulösen. Auch für die A-Nationalmannschaft soll er am besten die Abschlusssorgen lösen. Doch der Deutsch-Italiener möchte sich noch nicht für eine Nation entscheiden – und erfährt dafür einigen Gegenwind.
Tresoldi wurde als Sohn einer argentinischen Mutter und des ehemaligen italienischen Fußballprofis Emanuele Tresoldi auf Sardinien geboren. Mit 13 Jahren kam er nach Deutschland, weil seine Mutter Barbara eine Stelle am Flughafen Hannover antrat. Erst seit 2022 hat Tresoldi überhaupt die deutsche Staatsbürgerschaft, begann aber nur kurze Zeit später, bereits das DFB-Trikot zu tragen.
Von der U19 führte sein Weg in die U21. Dort möchte er trotz bestehenden Kontakts zu Klopp und seinem italienischen Amtskollegen Roberto Mancini vorerst noch die Europameisterschaft im kommenden Sommer spielen, bevor er sich entscheidet, für welche Nation er das Trikot der A-Nationalmannschaft überstreifen möchte.
Beide Nationen werben um die Dienste des Stürmers, der im Sommer 2025 von Hannover 96 zu Club Brügge wechselte. In bislang 67 Spielen erzielte er für den Champions-League-Teilnehmer 28 Tore und bereitete weitere neun Treffer vor. In der vergangenen Saison wurde er zudem mit Brügge Meister, Superpokalsieger und Torschützenkönig der Liga.
Klopp hat Tresoldi „in Ruhe gelassen“
Bundestrainer Klopp hätte ihn deshalb wohl gerne schon für seinen XXL-Kader in der Nations League nominiert. „Wir hatten gute Gespräche. Ich habe Kloppo meine Situation erklärt und er hat es verstanden. Er ist ein super Mensch“, sagte Tresoldi. Klopp habe ihm gesagt, dass die Tür immer offen stehe, ihn dann aber auch „in Ruhe gelassen“. Die Gespräche mit Mancini liefen wohl ähnlich. „Zu ihm habe ich das Gleiche gesagt wie zu Kloppo“, so Tresoldi. „Mancini hätte sich gefreut, wenn ich für Italien gespielt hätte. Es war ein gutes Gespräch.“