Von Euronews
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Deutsche und ausländische Sicherheitsdienste haben eine erneute Warnung vor Phishing-Angriffen herausgegeben, die über die Messaging-Anwendung Signal auf Gesetzgeber und hochrangige Regierungsbeamte abzielen und vermutlich das Werk eines „staatlich kontrollierten Cyber-Akteurs“ sind.
Die Bundesregierung geht davon aus, dass Russland hinter den Phishing-Angriffen steckt.
„Die Bundesregierung geht davon aus, dass die Phishing-Kampagne gegen den Nachrichtendienst Signal vermutlich von Russland aus gestartet wurde“, sagte eine Regierungsquelle gegenüber der Presseagentur AFP.
Berichten zufolge erhalten die Opfer Nachrichten vom Signal-Support, in denen sie aufgefordert werden, eine PIN einzugeben, einen Link zu öffnen oder einen QR-Code zu scannen. Wenn der Betrug erfolgreich ist, können die Hacker Zugriff auf Nachrichten, Chatgruppen sowie vom Benutzer geteilte Fotos und Dateien erhalten.
Die Angreifer können sich auch als die Person ausgeben, deren Konto kompromittiert wurde.
Während die Regierung nicht näher erläutert hat, wie viele Abgeordnete von der Phishing-Kampagne betroffen waren, schätzen lokale Medien, dass mindestens 300 Konten von Politikern kompromittiert wurden.
Viele Benutzer waren aufgrund von Datenschutzbedenken von WhatsApp zu Signal gewechselt, nachdem WhatsApp angekündigt hatte, Metadaten mit der Muttergesellschaft Meta zu teilen, zu der Facebook und Instagram gehören.
„Die Dunkelziffer wird in den kommenden Tagen weiter steigen“, sagte Konstantin von Notz, Abgeordneter und stellvertretender Vorsitzender des Geheimdienstaufsichtsausschusses, gegenüber AFP.
„Derzeit kann niemand mit Sicherheit sagen, ob die Integrität der Kommunikation der Abgeordneten noch gewährleistet ist“, fügte er hinzu.
Neben hochrangigen Politikern wurden auch Beamte, Diplomaten, Militärangehörige und Journalisten ins Visier genommen.
Der Bundestag debattiert nun über den Umgang mit den Vorfällen. Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages Andrea Lindholz (CSU) lehnt ein Verbot der Nutzung von Signal ab und sagte, sie glaube, dass es den Abgeordneten freistehe, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen.
Es wurde jedoch die Frage aufgeworfen, ob die Desktop-Version der Signal-App auf Bundestagscomputer beschränkt werden sollte.
Deutschland ist der größte Militärhilfegeber der Ukraine und seit der umfassenden Invasion Russlands in der Ukraine im Jahr 2022 häufig Ziel von Cyberangriffen sowie Spionage- und Sabotageanschlägen.
Moskau hat wiederholt eine Beteiligung an solchen Aktionen bestritten.
