Nun sind die Nordiren wahrlich keine schlechte Mannschaft, sonst hätten sie nicht Nationen wie Dänemark oder Island im Windsor Park geschlagen. Sie sind aber eben auch nicht die Nation, die einem Team mit dem Ziel WM-Titel große Steine in den Weg legen können sollte. Doch genau das gelang der Nummer 72 der Welt gegen Deutschland am Montag. Womöglich lobte Nagelsmann deswegen so sehr den Charakter seiner Mannschaft, denn viel mehr Herausragendes gab es nicht. „Es war ein wichtiger Sieg. Mund abwischen, drei Punkte mitnehmen, die waren wichtig für die Tabelle“, fasste er auf der Pressekonferenz zusammen.
Er wolle mitnehmen, „dass wir uns auf solche Spiele einlassen können“. Das sei „der größte Lerneffekt und ein ganz großer Schritt“. Gleichzeitig gab Nagelsmann zu: „Wir müssen uns fußballerisch auch nach vorne entwickeln.“ Fügte dann aber wieder an: „Das war heute nicht gefragt, darüber haben wir auch kaum mit der Mannschaft geredet.“
Diese WM-Qualifikationsgruppe A, sie fordert die deutsche Nationalelf mehr heraus, als man es vor dem Start vielleicht gedacht hätte. Erst die cleveren Slowaken, die eine lethargische DFB-Auswahl verdient besiegten. Und dann die unangenehmen Nordiren, die ihnen in zwei engen Partien lange die Stirn boten und ihr ein anderes Spiel abverlangten.
Für das Ziel WM-Titel muss die Nationalmannschaft noch viele Schritte unternehmen. Es bleiben aber nur noch zwei Länderspielpausen bis zum Sommer. Im November geht es nach Luxemburg und in Leipzig gegen die Slowakei. Im März finden dann entweder die WM-Play-offs oder Testspiele statt. In diesen Länderspielphasen wird es wichtig sein, dass Deutschland auch spielerisch wieder nach vorn geht.
Derzeit verletzte Ausnahmekönner wie Jamal Musiala oder Kai Havertz werden nach ihrer Rückkehr dabei helfen. Und im Sturm gibt es mit dann wohl wieder fitten Niclas Füllkrug oder Tim Kleindienst ein weiteres Element, das zuletzt fehlte.
Noch bleibt vieles Stückwerk. Der Sieg in Nordirland war wichtig, aber er täuscht nicht darüber hinweg, dass das große Ganze noch nicht greift. Kampf allein wird bei der WM nicht reichen – dafür braucht es mehr Ideen, mehr Präzision, mehr Spielkultur. In den verbleibenden Monaten bis zum Turnier muss die DFB-Elf zeigen, dass sie beides kann: das Spiel annehmen – und es bestimmen.
