Dabei sind die Informationen wesentlich. Axel Ekkernkamp, Gründungsdirektor des BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin und Mitglied im Wehrmedizinischen Beirat des Bundesministers der Verteidigung, erklärte im „Ärzteblatt“: „Wir müssen nicht nur wissen, wie viele Krankenhäuser es gibt und wie viele Betten sie haben, sondern was genau sie können.“

Aktuell gibt es in Deutschland fünf Bundeswehrkrankenhäuser mit den eng kooperierenden neun BG-Unfallkliniken der Berufsgenossenschaft und 20 vorgesehene Universitätskliniken. Die könnten aber bereits nach 48 Stunden ausgelastet sein. Im Ernstfall könnte das deutsche Gesundheitssystem nach zwei Tagen ans Limit geraten. Es bestehen also auch bei den stationären Behandlungskapazitäten Probleme.

Nicht alle Partner optimal eingebunden

Fortschritte gibt es hingegen bei den gemeinsamen Übungen. So fand im Frühjahr die „Medic Quadriga 2026“ mit 1.250 Personen statt. Darunter waren auch 250 Vertreter ziviler Organisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz (DRK), den Maltesern oder den Johannitern. Es war die erste Übung seit langer Zeit, bei der auch diese Gruppen eingebunden waren. Laut Bundeswehr will der Sanitätsdienst mit allen Akteuren des deutschen Gesundheitswesens in einen fest etablierten Austausch treten.

Allerdings fühlen sich die Organisationen teilweise im Unklaren gelassen. So beklagte DRK-Präsident Hermann Gröhe bei t-online: „Die Erwartungshaltung der Bundeswehr an das Deutsche Rote Kreuz wird aus Sicherheitsgründen teilweise sogar dem Deutschen Roten Kreuz gegenüber geheim gehalten.“

Übung „Medic Quadriga“ der Bundeswehr: Es gibt Fortschritte. (Quelle: Kay Nietfeld/dpa/dpa-bilder)

Auch ehrenamtliche Pflegeunterstützungskräfte müssten im Ernstfall dabei helfen, den Krankenhausbetrieb aufrechtzuerhalten, so Gröhe. Allerdings müsse man die Ausbildung dafür nun beginnen. Dafür brauche man aber jetzt schon Informationen hinsichtlich des Bedarfs. Nur so könne in einer Krise sichergestellt werden, dass es genug Personal gibt.

Schließlich dürfte ein großer Teil des Bundeswehr-Sanitätsdienstes in einem solchen Angriffsszenario in Frontnähe eingesetzt werden. Denn dort gelte es, Verwundete schnellstmöglich zu versorgen, um Leben zu retten, heißt es von der Bundeswehr. Die Aufgabe, Verletzte im Inland zu versorgen, würde dann den zivilen Partnern zukommen.

Ein erster Schritt beim Schutz vor hybriden Angriffen

Wichtig ist darüber hinaus, auch die ambulante Versorgung im Blick zu behalten. Denn nicht nur verwundete Soldaten, sondern auch die Zivilbevölkerung muss im Krisenfall versorgt werden. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, betont im „Ärzteblatt“: „Man muss sich Gedanken machen, wie das System der Vertragsarztpraxen resilienter gemacht werden kann.“

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