„MS Völkerverständigung“

Ehemaliges DDR-Traumschiff wird verschrottet

27.04.2026 – 06:11 UhrLesedauer: 2 Min.

Die „MS Astoria“ (Archivbild): Seit Juli vergangenen Jahres liegt das ehemalige Traumschiff der DDR in Gent. (Quelle: IMAGO/imageBROKER/alimdi / Arterra / J/imago)

Sie war das Traumschiff der DDR – nur für ganz besondere Passagiere. Was an Bord der MS Völkerfreundschaft wirklich geschah, ist ein Stück vergessene Geschichte.

Das belgische Recyclingunternehmen Galloo wrackt derzeit im Hafen von Gent die „MS Astoria“ ab. Das Schiff, das 25 Jahre lang als „MS Völkerfreundschaft“ das einzige Kreuzfahrtschiff der DDR war. Für 200.000 Euro hatte Galloo das 78 Jahre alte Schiff ersteigert.

Zwei Schlepper brachten die „MS Astoria“ dafür von Rotterdam nach Gent, wo sie nun in ihre Einzelteile zerlegt und so weit wie möglich recycelt wird. Zuletzt hatte das Schiff seit 2020, dem Beginn der Corona-Pandemie, im Waalhaven in Rotterdam aufgelegen und war mehrfach erfolglos zum Verkauf angeboten worden.

Gebaut wurde das Schiff 1948 in Göteborg: Als „MS Stockholm“ lief es vom Stapel, konzipiert als Transatlantikliner für die Route nach New York. Acht Jahre später geriet es in eine der folgenreichsten Schiffskatastrophen der Nachkriegszeit. 1956 kollidierte die „MS Stockholm“ in einer Nebelbank vor der Küste von Nantucket mit dem italienischen Passagierdampfer „Andrea Doria“. Das Schiff riss die „Andrea Doria“ an der Steuerbordseite auf, das italienische Passagierschiff sank elf Stunden nach der Kollision. 46 Menschen auf der „Andrea Doria“ und fünf Passagiere der „MS Stockholm“ kamen dabei ums Leben. Die „MS Stockholm“ half anschließend bei der Rettung der Schiffbrüchigen und kehrte nach New York City zurück, wo sie einen neuen Bug erhielt.

Ab 1960 fuhr das Schiff unter dem Namen „MS Völkerfreundschaft“; als erstes Kreuzfahrtschiff der DDR. 25 Jahre lang war es das einzige schwimmende Urlaubsprivileg des sozialistischen Staates: An Bord durften ausschließlich SED-treue Passagiere reisen, angelaufen wurden nur Häfen in kommunistischen Ländern – von der Sowjetunion bis nach Kuba. Dennoch nutzten einige Reisende die Fahrten für einen Versuch, in den Westen zu fliehen.

Nach dem Ende der DDR wechselte das Schiff mehrfach den Eigentümer und den Namen. Seit 2016 fuhr es als „MS Astoria“, gechartert von Cruise and Maritime Voyages – dem letzten Unternehmen, das das Schiff aktiv einsetzte. Die letzte Reise mit Passagieren an Bord, überwiegend britische Gäste, fand zu Beginn der Corona-Pandemie 2020 statt.

Mit 78 Jahren ist die „MS Astoria“ deutlich älter als die meisten Schiffe, die in den vergangenen Jahren abgewrackt wurden. Schiffe wie die „Fantasy“-Klasse von Carnival Cruise Line oder mehrere Einheiten von Pullmantur Cruises waren zum Zeitpunkt ihrer Verschrottung zwischen 25 und 40 Jahre alt.

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