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Panorama

DDR-Aufstand – warum die Erinnerung langsam verblasst

wochentlich.deBy wochentlich.de17 Juni 2026Keine Kommentare3 Mins Read
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DDR-Aufstand – warum die Erinnerung langsam verblasst
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Aufstand in der DDR 1953

„Noch nie eine so tollwütige Frau gesehen“


Aktualisiert am 17.06.2026 – 07:08 UhrLesedauer: 5 Min.

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Sowjetische Panzer in Berlin: Historische Aufnahmen zeigen, wie sowjetische Truppen mit Waffengewalt einen Aufstand in der DDR beendeten.

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Die DDR war noch jung, als ihre Bürgerinnen und Bürger am 17. Juni 1953 den Aufstand gegen die Diktatur wagten. Bis heute ist die Erinnerung an dieses Ereignis aber eher schwach. Warum?

„Ist es so, dass morgen der 17. Juni beginnt?“ Diese Frage stellte Erich Mielke, Chef der Staatssicherheit, 1989, als immer mehr Bürgerinnen und Bürger der DDR auf den Straßen gegen das SED-Regime protestierten. Und ihr Drang nach Freiheit die Berliner Mauer am 9. November zu Fall bringen sollte.

„17. Juni“, das war ein Stichwort, das die SED-Bonzen fürchteten wie kaum ein anderes. Denn an diesem besagten Tag im Jahre 1953 zeigte sich in der erst 1949 gegründeten DDR, dass keineswegs alle Menschen in der DDR den Sozialismus in der Weise aufbauen wollten, wie es sich die Einheitspartei vorstellte.

Lieber am Badesee?

Der 17. Juni 1953, das war nicht nur ein von Arbeitern angezettelter Generalstreik in Ost-Berlin. An Hunderten Orten der Deutschen Demokratischen Republik demonstrierten bis zu eine Million Menschen – gegen neue Arbeitsnormen, aber auch gegen die SED, für freie Wahlen und mehr Wohlstand. Binnen Stunden wurde der Ausnahmezustand verhängt. Sowjetische Panzer und die Volkspolizei rückten aus. 55 Menschen waren am Ende tot, mehr als 10.000 wurden verhaftet, 1.500 zu Gefängnisstrafen verurteilt.

In der Bundesrepublik Deutschland erhob man den 17. Juni bald zum Feiertag in Form des Tags der Deutschen Einheit, später avancierte er gar zum nationalen Gedenktag. Diese Fakten sind hinlänglich bekannt. Auch zum 70. Jahrestag dieses Ereignisses wird die mutige Beinahe-Revolution wieder gewürdigt. „Der Volksaufstand vom 17. Juni ist ebenso wie die friedliche Revolution 1989 ein herausragendes Ereignis der deutschen Freiheits- und Demokratiegeschichte“, sagte kürzlich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. „Gerade die Menschen in Ostdeutschland können mit Stolz und großem Selbstbewusstsein darauf zurückblicken.“ Und doch bleibt die kollektive Erinnerung daran bis heute seltsam blass.

Aufstand in der DDR (nachträglich koloriertes Foto): Jugendliche bewerfen Panzer mit Steinen.Vergrößern des Bildes
Aufstand in der DDR (nachträglich koloriertes Foto): Jugendliche bewerfen Panzer mit Steinen. (Quelle: Schirner/ullstein-bild)

In der alten Bundesrepublik erzeugte der 17. Juni wenig nachhaltiges Interesse – zu verlockend waren meist Badeseen oder Schwimmbäder an diesem freien Junitag. Die DDR wiederum sprach von einem vom Westen gesteuerten „faschistischen Putsch“ – und schwieg dann jahrzehntelang darüber. „Auch durch Weglassen kann man Geschichte manipulieren“, sagt der frühere Bürgerrechtler Frank Ebert, heute Berlins Beauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. „In der DDR kannte ich den 17. Juni 1953 nur aus Erzählungen meiner Oma.“

Es sind die Zeitzeugen, die die Wucht dieser Massenproteste plastisch machen. Günter Toepfer etwa erinnert sich 70 Jahre später noch glasklar an die Kinderperspektive von damals. Gegen 9 Uhr an diesem Mittwochvormittag kam der Rektor seiner Schule in Jena in die Klasse und schickte die Schüler nach Hause. Toepfer, damals knapp zwölf Jahre alt, ahnte, dass etwas los war.

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