Naturparadies unter Druck

Was passiert, wenn das Wattenmeer verschwindet?


Aktualisiert am 14.06.2026 – 01:07 UhrLesedauer: 4 Min.

Friesisches Wattenmeer bei Holwerd (Niederlande): Das Naturparadies steht mächtig unter Druck. (Quelle: RonaldROZEMA/Priller&MAUG via www.imago-images.de/imago)

Das Wattenmeer schützt Küsten, Tiere und Lebensräume. Experten warnen vor den Folgen des Klimawandels für das Weltnaturerbe.

So weit das Auge reicht erstrecken sich Sand, Schlick und Salzwiesen: Das Wattenmeer ist ein einzigartiges Ökosystem, das sich über drei Länder erstreckt. Es bietet Tausenden von Arten einen Lebensraum und Millionen von Zugvögeln eine wichtige Nahrungsquelle. Doch der Klimawandel macht dem Weltnaturerbe zunehmend zu schaffen – und das in einem alarmierenden Tempo.

Das Wattenmeer hat sich seit der Gründung des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer am 1. Oktober 1985 stark verändert. Kurz nach der Gründung des schleswig-holsteinischen Teils folgte auch der niedersächsische Nationalpark. „Das Wattenmeer verändert sich so schnell, dass es heute ganz anders aussieht als zu Zeiten unserer Großeltern“, erklärt Christian Buschbaum, Ökologe am Alfred-Wegener-Institut (AWI).

Welche Auswirkungen haben höhere Temperaturen?

Die Winter werden milder, die Sommer wärmer – und die Nordsee heizt sich auf. Das Wasser liegt inzwischen rund zwei Grad über dem langjährigen Mittelwert. „Die Erwärmung verändert die Lebensbedingungen für Fische, Bodenlebewesen, Zug- und Brutvögel“, erklärt Jannes Fröhlich, Leiter des WWF-Wattenmeerbüros. Das komplexe Ökosystem könne sich nicht schnell genug anpassen.

Welche Folgen hat der steigende Meeresspiegel?

Mit der Erwärmung des Klimas steigt auch der Meeresspiegel. Seit Beginn der Satellitenmessungen 1993 erhöht sich der Pegel der Nordsee im Schnitt um etwa vier Millimeter pro Jahr – regional unterschiedlich. „Ein beschleunigter Anstieg des Meeresspiegels ist die größte Gefahr für das Wattenmeer“, warnt Fröhlich. Wenn das Watt nicht mitwachsen könne, drohe es zu „ertrinken“.

Deich auf Sylt: Die Aufschüttungen mögen unscheinbar wirken, haben aber einen enormen Nutzen für Natur und Mensch. (Quelle: IMAGO/Fotostand / Wassmuth/imago)

Wie gut das Wattenmeer mithält, hängt von der Geschwindigkeit des Anstiegs ab, erklärt Gregor Scheiffarth von der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer. „Bei der aktuellen Entwicklung können Wattflächen und Salzwiesen vielerorts noch Schritt halten.“ Küstenschützer versuchen bereits gegenzusteuern – etwa durch Sandaufspülungen oder die Wiederherstellung von Salzwiesen, die als natürliche Barriere dienen.

Was bedeutet der Klimawandel für die Arten?

Das Wattenmeer gilt als extremer Lebensraum mit vergleichsweise wenigen Arten. Doch inzwischen nimmt die Artenvielfalt zu, sagt AWI-Ökologe Buschbaum.
Viele neue Arten werden eingeschleppt – und finden im wärmeren Wasser günstige Bedingungen. „Das Wattenmeer ist heute artenreicher als vor 100 Jahren“, so Buschbaum.

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Allerdings bringt jede neue Art auch Risiken mit sich. „Jede Veränderung kann weitreichende Folgen haben“, erklärt der Forscher. Die Pazifische Auster etwa galt lange als Gefahr für die heimische Miesmuschel – doch beide Arten leben mittlerweile nebeneinander. „Bisher hatten wir Glück. Aber niemand weiß, wie es in Zukunft weitergeht.“

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