Hinzu kommt enormer Stress durch Lärm. Während für Menschen die Augen wichtig sind, um sich zu orientieren, ist für den Wal das Gehör essenziell. „Wale leben primär in einer Welt des Schalls, denn bei Nacht in der Tiefe des Ozeans nutzen die besten Augen nichts“, erklärt Ritter. Ihn tagelang in einer Barge mit dröhnendem Motorenlärm gefangen zu halten, sei wie einem Menschen mit einem grellen Scheinwerfer tagelang ins Gesicht zu leuchten. Bleibende Schäden des Gehörs seien nicht auszuschließen.
Die nächste Frage ist: Wie weit kann Timmy in Richtung Freiheit gebracht werden? Ist die Barge überhaupt für einen echten Hochseeeinsatz geeignet? Eine Antwort darauf gibt es derzeit nicht, es heißt lediglich, ein Weitertransport bis hin zum Atlantik, wo Buckelwale heimisch sind, sei nicht ausgeschlossen.
Schließlich bleibt offen, was geschieht, wenn die Barge ihr Ziel erreicht und Timmy schwimmen soll: Dann kommt es auf seinen Gesundheitszustand an. Es sei zu befürchten, dass das Tier so geschwächt sei, dass es direkt untergehe und nicht mehr an die Oberfläche gelange, warnt Meeresforscher Ritter. Wie es dem Wal derzeit wirklich geht, ist nicht ganz klar. Viele Experten sind sich einig: Es handelt sich um ein sterbendes Tier. Die Tierärzte der privaten Initiative betrachten den Buckelwal hingegen als transportfähig: Sein Gesundheitszustand ist ihrer Einschätzung zufolge gut, die Atmung tief und ohne Geräusche.
Ritter merkt jedoch an, dass es bisher keine Blutuntersuchung gebe, die diese Behauptung untermauern könnte. Anscheinend seien nicht einmal eine Analyse des Blases, also der ausgestoßenen Atemluft, oder ein Hautabstrich vorgenommen worden. Dabei sei beides im Gegensatz zur Blutentnahme leicht machbar. Ohne diese Untersuchungen bleibt unklar, ob der Wal mit Krankheitserregern infiziert ist, auch sein Stresshormonlevel ist nicht dokumentiert. „Es ist nicht einmal klar, ob er überhaupt noch Nahrung zu sich nehmen kann“, sagt Ritter.
