„Viele Patientinnen und Patienten fürchten, dass Bewegung schaden könnte. Eine gute Kommunikation bedeutet, diese Ängste ernst zu nehmen. Es ist wichtig, über individuelle Krankheitsvorstellungen, Sorgen und Erwartungen offen zu sprechen und verschiedene Ansätze vorzustellen, um Bewegung zu ermöglichen“, erklärt Thomas Kötter.
Überschätzt werden den Autoren der Leitlinie zufolge hingegen die Effekte von Massagen, Akupunktur, Lasertherapie, Elektrotherapie, Ultraschall, Fango, Bäder, Rotlicht, Kryotherapie sowie Kinesiotaping. Damit streicht die neue Version der Leitlinie zentrale Therapieempfehlungen aus der Vorgängerversion. Der Fokus einer erfolgreichen Behandlung liegt klar auf Bewegung.
Schmerzmittel können dabei unterstützen, wieder aktiv zu sein. Diese sollten aber nur über einen kurzen Zeitraum eingenommen werden. Die Leitlinie empfiehlt die Wirkstoffe Ibuprofen und Diclofenac. Von Paracetamol, Muskelrelaxantien, Cannabis sowie Opioiden rät sie ab. Halten die Schmerzen länger an, sollte für die Einnahme immer ein Arzt hinzugezogen werden. Dann sollen ergänzend Magenschoner (Protonenpumpenhemmer) verabreicht werden.
Auch Wärmeanwendungen – und gegebenenfalls Kälteanwendungen – tragen dazu bei, wieder in Bewegung zu kommen. Wärme kann helfen, die Muskeln geschmeidiger und lockerer zu machen – was den Schmerz lindern kann. Kälte wirkt Entzündungsprozessen entgegen. Bei chronischen Nackenschmerzen kann eine kognitive Verhaltenstherapie angeboten werden. Das gilt auch für digitale Gesundheitsanwendungen. Entspannungsverfahren können ebenfalls hilfreich sein.
Bewegung unterstützt dabei, die angespannte Muskulatur und die blockierten Gelenke wieder zu lockern. Zugleich dehnt und kräftigt Bewegung die Nackenstrukturen und hilft so, künftigen Nackenschmerzen vorzubeugen. Generell ist es wichtig, bei den Übungen vorsichtig vorzugehen und nicht zu stark in den Schmerz hineinzuarbeiten. Es braucht etwas Geduld, bis sich die verspannten und verhärteten Strukturen wieder lösen.
Eine Physiotherapie hilft, zu lernen, welche Bewegungen förderlich sind und welche nicht. Liegen strukturelle Schäden vor, etwa Verschleiß, unfallbedingte Beschwerden oder Bandscheibenbeschwerden, sollten die Übungen unter fachkundiger Begleitung durchgeführt werden, um weiteren Schaden zu verhindern.
