Deutschlands WM-Auftakt
Nagelsmann erkennt die biblische Gefahr
14.06.2026 – 11:52 UhrLesedauer: 4 Min.

Einen Fehlstart in die WM will die deutsche Nationalmannschaft tunlichst vermeiden. Die Vorzeichen stehen gut. Doch der Bundestrainer sieht auch die Gefahr des Gegners.
Aus Houston berichtet William Laing
Nervös war Julian Nagelsmann einen Tag vor seinem WM-Debüt nicht. „Als Trainer ist immer so das Entscheidende, was für ein Gefühl die Mannschaft einem gibt“, betonte der Bundestrainer am Samstag bei der Abschlusspressekonferenz im Houston-Stadium vor dem Auftaktspiel der deutschen Auswahl bei der Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko. „Sie haben sehr gut trainiert, viele Spiele in Folge gewonnen, machen einen sehr guten Eindruck, was auch die Stimmung angeht innerhalb des Teams“, lobte Nagelsmann seine Spieler. Stand jetzt sei er deshalb „noch sehr ruhig“ und freue sich „extrem darauf, dass es losgeht“.
Neun Partien in Serie konnte die DFB-Elf zuletzt für sich entscheiden. Am Sonntag soll nun Sieg Nummer zehn folgen – und das gegen einen Gegner, der für die bei den vergangenen beiden Weltmeisterschaften zum Auftakt zweimal unterlegene deutsche Mannschaft eigentlich keine Hürde darstellen dürfte. Zumindest auf dem Papier.
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Am Sonntag bekommt es Deutschland nämlich mit Curaçao zu tun (ab 19 Uhr im Liveticker bei t-online), einem Karibikstaat, der das erste Mal überhaupt bei einer WM vertreten ist. In der Weltrangliste steht „The Blue Wave“ (übersetzt: „Die blaue Welle“) gerade einmal auf Rang 82 und damit 72 Plätze hinter dem DFB-Team. Mit lediglich 158.000 Einwohnern ist der Turnierdebütant zudem die kleinste Nation, die bislang an einer Weltmeisterschaft teilgenommen hat. Doch auf die leichte Schulter nehmen will Nagelsmann Curaçao trotzdem nicht. Denn der Bundestrainer erkennt die biblische Gefahr.
„Die Geschichten gibt’s im Fußball immer wieder“
Die Außenseiterrolle wollte Nagelsmann dem ersten deutschen Gegner zunächst einmal nicht absprechen. „Curaçao ist eine Mannschaft, die natürlich nicht als Favorit in der Gruppe ins Turnier geht“, stellte der 38-Jährige klar. Doch genau hier sieht der DFB-Coach auch einen entscheidenden Vorteil für die Elf vom früheren Gladbach-Trainer Dick Advocaat. Denn: Der Außenseiter zu sein, mache das Team „schon gefährlich“, so Nagelsmann. „Das ist wie so eine DFB-Pokalsituation: David, Goliath. Die Geschichten gibt’s im Fußball immer wieder.“
In der bekannten biblischen Erzählung stellt sich der Hirtenjunge David dem schier übermächtigen Riesen Goliath im Kampf, kann diesen trotz seiner vermeintlichen Unterlegenheit mit Geschick besiegen. Die Heldengeschichte findet seit jeher im Sport regelmäßig ihre Neuauflage. Kleine Mannschaften schlagen plötzlich deutlich besser besetzte – oder bringen sie zumindest ins Straucheln. Der DFB-Pokal ist, wie von Nagelsmann festgestellt, bekannt für solch ungewöhnliche Szenarien. Genauso aber auch die Weltmeisterschaft.