Alarmierende Zahlen
Millionen Deutsche verweigern Test auf Darmkrebs
22.08.2025 – 13:05 UhrLesedauer: 2 Min.
Darmkrebs zählt zu den häufigsten Krebsarten in Deutschland. Dabei ist er gut behandelbar, wenn man ihn rechtzeitig erkennt. Doch nur wenige nutzen die Möglichkeit zur Früherkennung.
Mehr als 24.000 Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland an Darmkrebs. In vielen Fällen könnte die Krankheit durch eine einfache, schmerzfreie Vorsorgeuntersuchung verhindert werden. Doch eine neue Analyse zeigt: Vor allem Männer lassen diese Chance oft ungenutzt.
Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und der Barmer-Krankenversicherung haben Daten von rund 945.000 Versicherten analysiert: von Männern und Frauen der Jahrgänge 1960 bis 1968. Das Ergebnis: Nur ein kleiner Teil der Anspruchsberechtigten nutzt den jährlichen Stuhltest, mit dem sich verstecktes Blut im Stuhl und damit mögliche Hinweise auf Darmkrebs nachweisen lassen.
Konkret: Nur 22,9 Prozent der Männer und 55,5 Prozent der Frauen zwischen 50 und 54 Jahren haben den Test überhaupt mindestens einmal gemacht. Und nur verschwindend geringe Anteile, 0,1 Prozent der Männer und 1,8 Prozent der Frauen, haben ihn regelmäßig jährlich genutzt.
Bis zum Alter von 55 Jahren hatten mehr als drei Viertel der Männer (77,1 Prozent) überhaupt keinen Stuhltest zur Früherkennung durchgeführt. Bei den Frauen waren es 44,5 Prozent. Studienleiter Hermann Brenner vom DKFZ warnt: „Die bisherige, nicht organisierte und auf individueller Eigeninitiative beruhende Darmkrebsfrüherkennung erreicht große Teile der berechtigten Bevölkerung nicht.“
Dabei ist die Wirksamkeit der Tests wissenschaftlich gut belegt: Werden Krebsvorstufen erkannt und entfernt, lässt sich Darmkrebs verhindern. Und selbst wenn der Tumor bereits vorhanden ist, steigen die Heilungschancen bei früher Diagnose deutlich.
Zwar wurde 2019 ein Einladungsschreiben für 50-Jährige eingeführt und moderne immunologische Tests haben die früheren ersetzt, doch diese Maßnahmen hatten kaum eine spürbare Wirkung auf die Teilnahmequote.
Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland deutlich hinterher. Länder wie die Niederlande oder England erreichen durch organisierte Früherkennungsprogramme Teilnahmequoten von über 70 Prozent. Dort werden zum Beispiel die Testkits automatisch nach Hause geschickt.
Ein Modellprojekt der DKFZ-Arbeitsgruppe mit der AOK Baden-Württemberg hat gezeigt, wie es besser geht: Der Postversand von Testkits, verbunden mit Erinnerungsschreiben, kann die Teilnahme mindestens verdreifachen. Die Barmer hat dieses Konzept übernommen und bietet es inzwischen ebenfalls an. Die Ergebnisse werden in den kommenden Jahren wissenschaftlich begleitet und weiterentwickelt.
Die neuen Zahlen zeigen: Das Angebot zur Darmkrebsvorsorge ist da, doch es wird kaum genutzt. Besonders Männer verzichten auf den einfachen Test, der Leben retten kann. Dabei ist die Untersuchung weder unangenehm noch aufwendig. Und sie ermöglicht, Krebs frühzeitig zu entdecken, bevor er lebensbedrohlich wird.
