Die Junge Union hat Friedrich Merz wohlwollend empfangen. Doch sie bleibt skeptisch – und knüpft ihre Unterstützung an Bedingungen.

Es dauert mehr als dreißig Minuten, bis Friedrich Merz den Elefanten im Raum anspricht. Das Thema, über das an diesem Wochenende beim Deutschlandtag der Jungen Union in Bonn alle sprechen. Nur eben der Kanzler in seiner Rede sehr lange nicht. Er erlaube sich an dieser Stelle „einen Rückblick auf den, sagen wir mal, emotionalen Deutschlandtag des letzten Jahres“, sagt Merz. Da habe es ja eine „ziemlich harte Diskussion“ über die Rente gegeben. Was noch freundlich formuliert ist. Es war ein offener Streit, ein Eklat.

Merz versucht, die Sache in Bonn ins Positive zu wenden. Er habe damals zugesichert, sagt Merz, die Bundesregierung werde bei der Rente ein neues Gesamtversorgungsniveau schaffen und die junge Generation werde mit am Tisch sitzen. „Das haben wir eingehalten“, sagt Merz. Mit Pascal Reddig saß einer von ihnen in der Rentenkommission. „Ihr habt mich an eurer Seite“, sagt Merz. Damals wie heute. Das habe die junge Generation, das habe Deutschland verdient.

Es gibt Applaus, freundlichen Applaus. So wie an vielen Stellen der Rede. Die Lage ist für die CDU und ihren Kanzler objektiv miserabler als 2025. Der Deutschlandtag in Bonn läuft für Merz trotzdem besser. Er müht sich, und in der Jungen Union ist der Wunsch, es noch mal mit ihm zu versuchen, bei vielen stark. Es ist ein erster Schritt aufeinander zu, mehr aber auch nicht. Und: Die Geduld der Jungen mit Merz ist begrenzt. Auch das machen sie klar.

Als etwas zerbrach zwischen ihnen

Es war der 15. November, als vergangenes Jahr etwas zerbrochen ist zwischen der Jungen Union und dem Kanzler. Der erste Rentenstreit der schwarz-roten Koalition war auf dem Höhepunkt, es ging um die „Haltelinie“. Die Junge Union hatte zum Deutschlandtag in den Europa-Park Rust geladen.

Friedrich Merz: Beim Deutschlandtag 2025 lief es miserabel für ihn. (Quelle: IMAGO/Chris Emil Janssen/imago)

Merz warnte dort damals vor einem „Unterbietungswettbewerb“ bei der Rente, den man nicht gewinnen könne. „Das kann doch nicht euer Ernst sein!“, rief er den Jungen zu. Sie mögen sich doch bitte an der Debatte beteiligen. „Aber nicht, indem ihr einfach nur sagt, was nicht geht.“

Die Junge Union? Nicht konstruktiv genug? Diesen Vorwurf nehmen ihm hier immer noch viele besonders übel. Es war ihr Schmerzpunkt, der die Stimmung endgültig kippen ließ. Dabei war die Junge Union einst Merz‘ größter Fanclub. Sie unterstützten alle seine drei Anläufe, die er brauchte, um Parteivorsitzender zu werden. Und seinen Wahlkampf sowieso. Mit dem Fanclub ist es seitdem vorbei.

Winkels verheerende Diagnose

Was die Junge Union von Merz erwartet, hat ihr Chef Johannes Winkel an diesem Freitagabend in Bonn deutlich formuliert. „Resignation“ habe sich angesichts der schlechten Umfragewerte und der Regierungsrealität breit gemacht in der Partei, sagt er. Es ist eine verheerende Diagnose: Nicht mal mehr Wut, wie sie sich im vergangenen Jahr Bahn brach: Resignation.

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