Rot-Weiß Essen fiebert dem Duell mit dem MSV Duisburg entgegen. Im Interview spricht Trainer Christoph Dabrowski über das Derby, Fußball im Pott und die Zukunft von RWE.

Mit einem Sieg im Derby gegen den MSV Duisburg will Rot-Weiß Essen einen erfolgreichen Endspurt der Saison einläuten. Geht es nach Trainer Christoph Dabrowski, lebt der Traum vom Aufstieg weiter. Im Interview mit t-online erklärt der Coach, was es am Sonntag zum Derbysieg braucht, wie sich RWE für die neue Saison aufstellen will und warum er an einen Verbleib von Abwehrchef Felix Götze glaubt. Außerdem verrät der 45-Jährige, warum die Arbeit in Essen für ihn „eine geile Herausforderung“ ist.

t-online: Herr Dabrowski, die Fans fiebern dem Derby gegen den MSV Duisburg am Sonntag entgegen. Hat so ein Spiel auch für Sie als Trainer einen besonderen Reiz?

Christoph Dabrowski: Absolut. Ich habe das bei RWE schnell erlebt, als ich hier vor knapp zwei Jahren Trainer geworden bin. Wir hatten am zweiten Spieltag direkt ein Auswärtsspiel beim MSV, vor ausverkauftem Haus und mit rot-weißer Gästekurve hinter unserem Tor. Da hast du sofort die große Rivalität gespürt. Auch im Hinspiel hatten wir diesen Derby-Charakter, als uns 7.000 Fans nach Duisburg begleitet und das Ganze nach unserem Siegtor in der 94. Minute zum Heimspiel gemacht haben. Bei diesen Spielen ist immer ein Prickeln dabei, darauf freust du dich besonders.

Christoph Dabrowski (Quelle: IMAGO/Revierfoto/imago)

Das ist Christoph Dabrowski

Der 45-Jährige ist seit 2022 Trainer von Rot-Weiß Essen. Als Spieler spielte er für den VfL Bochum, Hannover 96, Arminia Bielefeld und Werder Bremen.

Das Derby könnte zum vorerst letzten Mal steigen, der MSV ist stark abstiegsgefährdet. Haben Sie ein Stück weit Mitgefühl mit den Duisburgern?

In erster Linie fokussiere ich mich auf meinen eigenen Verein. Und wir sind froh, dass wir einen guten Entwicklungsschritt gemacht haben in diesem Jahr. Aber ich habe schon nach dem Hinspiel und unserem Auswärtssieg beim MSV betont, dass Duisburg einfach in die dritte Liga gehört. Wir wollen doch alle diese Derbys haben. Traditionsvereine, die Zuschauermagnete sind und volle Stadien garantieren – deswegen wäre es eine super Sache, wenn Duisburg in der Liga bleibt.

Aber wir wollen natürlich selbst das Maximale aus dieser Saison herausholen, also ist an diesem Sonntag kein Mitleid erwünscht und erlaubt. Höherklassige Traditionsvereine gerade hier im Ruhrpott werden immer weniger: Wattenscheid steckt in der Oberliga im Abstiegskampf, RW Oberhausen hängt in der Regionalliga fest, auf Schalke sieht’s auch nicht rosig aus.

Wie erleben Sie diesen Niedergang?

Da muss man bei jedem einzelnen Verein sicher genauer hinschauen. Tatsache ist aber, dass die sportliche Reise bei einigen Klubs wie Wattenscheid oder Oberhausen irgendwann in die andere Richtung geführt hat – aus welchen Gründen auch immer. Und wenn man einmal in diesem Sog ist in den unteren Ligen, ist es nicht einfach, wieder nach oben zu kommen. Das haben wir bei RWE auch leidvoll erfahren. Es hat eine gewisse Anlaufzeit gebraucht, um wieder aufzusteigen in die dritte Liga.

Daran sieht man, wie groß die Herausforderung für Klubs ist, es finanziell zu stemmen, aber auch bei den Transfers die richtigen Entscheidungen zu treffen. Und du musst immer die Ruhe im Verein bewahren, auch wenn die Erwartungen im Umfeld extrem hoch sind.

Taugt RWE in diesem Zusammenhang als Vorbild?

Ich kann das nur für die beiden letzten Jahre beurteilen, in denen ich hier tätig bin. Ein gutes Beispiel ist unsere letzte Saison und die Entwicklung, die daraus gefolgt ist, aufgrund vieler Entscheidungen, die wir gemeinsam getroffen haben. Uns war klar, dass es im ersten Jahr vor allem darum geht, in der Liga zu bleiben. Und den Kader dann umzustrukturieren, zu verjüngen und frisches Blut hineinzubringen, um eine bestimmte Art und Weise zu implementieren, wie wir Fußball spielen wollen. Das ist ein Prozess, dafür brauchst du Zeit.

Oft ist der Zeitfaktor im Profifußball begrenzt. Aber wir sind ein gutes Beispiel dafür, dass sich das Durchhaltevermögen auch in Krisenzeiten bewährt hat, um letztlich eine Entwicklung stattfinden zu lassen.

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