Auf der Plattform X wird der AfD-Direktkandidat Ronny Kumpf fünf Stunden später Fotos von seinem Infostand in Magdeburg twittern. Großartig sei der gewesen, „obwohl – nicht zuletzt aufgrund des heute stattfindenden CSDs – auch einige sehr eigenartige Personen dort unterwegs“ gewesen seien.

Hundemasken als Reizpunkt

Wen Kumpf genau für „merkwürdig“ hält, ist unklar. Doch eine bestimmte Gruppe in Reihen der CSDs hat in der Vergangenheit immer wieder für besonders heftige Diskussionen gesorgt. Die AfD hält sie für pervers und nutzt sie, um CSDs insgesamt zu verteufeln. Auch andere Parteien und die Polizei hatten, unter anderem wegen des Vermummungsverbots, aber schon Fragen zu ihnen: die sogenannten „Puppy-Player“, also „Welpen-Spieler“.

Sie versetzen sich in ihrer Freizeit in die Rolle eines Hundes, tragen Hundemasken aus Leder, laufen auf allen vieren, bellen. Früher war das ein Fetisch in der BDSM-Szene, klar mit Sex verbunden. Heute pflegen viele es ohne sexuelle Motivation. Man trifft sich in einer Gruppe und spielt Hund. Als Hobby, in Vereinen.

Auch auf dem CSD in Magdeburg treten sie in einer kleinen Gruppe auf: sechs Männer mit schwarz-glänzenden Hundemasken. Sie laufen auf zwei Beinen, im Demozug weit vorne. Für einen von ihnen sei es in diesem Jahr schon der neunte CSD, sagt er.

33-Jähriger mit Hundemaske: „Wollen Leben leben können wie alle anderen auch.“ (Quelle: Leister )

Der 33-Jährige kommt aus Sachsen-Anhalt, ist hier geboren und aufgewachsen. Er arbeitet im öffentlichen Dienst. Das „Puppy play“, betont er, habe für ihn nichts mit Fetisch zu tun. Es gehe darum, den Kopf freizubekommen. „Einfach mal komplett abschalten.“

Auch er will vor der Landtagswahl ein Zeichen setzen. „Wir sind Teil der Community“, sagt er. „Wir wollen einfach unser Leben leben können wie alle anderen auch.“

„Als sei die Zeit der Aufklärung vorbei“

Diesen Satz würden hier wohl viele unterschreiben, auch wenn sie nicht dasselbe Hobby haben. Besonders ernst werden die Älteren und weiter Angereisten, wenn man sie nach ihrer Motivation fragt, zum CSD zu kommen. „Weil lesbisches Leben hier vom Faschismus bedroht ist“, sagt Meike, 64 Jahre alt. Sie sitzt gerade am Rand des Demozugs auf einem Fahrradständer und schwenkt eine Fahne: „You are loved“ steht darauf.

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